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Doppelte Auszeichnung

Bei der Verleihung der International Classical Music Awards (ICMA) in Bamberg wurde das Album „Shostakovich Discoveries“ in gleich zwei Kategorien prämiert.

Rostislav Krimer, Nils Mönkemeyer, Tobias Niederschlag und Bernhard Güttler bei der Preisverleihung des ICMA in Bamberg (c) Marina Bower

Bereits im Januar 2026 wurde bekannt gegeben, dass das Album „Shostakovich Discoveries“, erschienen im Mai 2025 bei der Deutschen Grammophon, in der Kategorie „Premiere Recordings“ mit dem diesjährigen International Classical Music Award (ICMA) 2026 ausgezeichnet wird. Bei der Preisverleihung am 18. März 2026 in der Konzerthalle Bamberg wurde die CD mit Weltersteinspielungen und Raritäten von Dmitri Schostakowitsch, zum Großteil aufgenommen bei den Internationalen Schostakowitsch Tagen Gohrisch, nun mit einer weiteren Auszeichnung bedacht: dem Preis als „Album of the Year“ 2026.

An der Preisverleihung in Bamberg, bei der insgesamt 27 Awards verliehen wurden, wirkten u. a. der Pianist Andrei Korobeinikov und der Bratschist Nils Mönkemeyer mit, die beide mit Weltersteinspielungen auf den „Shostakovich Discoveries“ vertreten sind. Ihnen wurde der ICMA ebenso überreicht wie dem Künstlerischen Leiter der Schostakowitsch-Tage, Tobias Niederschlag, der das Album als Executive Producer betreute und den Preis für das „Album of the Year“ in Empfang nahm.

Nils Mönkemeyer musizierte am Abend auch bei der „Gala der International Classical Music Awards zum 80. Geburtstag der Bamberger Symphoniker“, die mit ihrem Chefdirigenten Jakub Hrůša ebenfalls zu den Preisträgern gehörten. Der Livestream des Galakonzertes ist weiterhin auf dem YouTube-Kanal der Deutschen Welle (DW) verfügbar: 

https://www.youtube.com/c/DWClassicalMusic

Die International Classical Music Awards wurden 2010 von der Jury der ehemaligen MIDEM Classical Awards ins Leben gerufen. Die Jury besteht aktuell aus 20 Musikkritikerinnen und -kritikern, die unter dem Vorsitz von Remy Franck (Pizzicato, Luxemburg) Radiosender, Internet- und Printmagazine aus 15 verschiedenen Ländern repräsentieren.

Shostakovich Discoveries – World Premiere Recordings & Rarities
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Daniil Trifonov, Gidon Kremer, Nils Mönkemeyer, Alexander Roslavets, Yulianna Avdeeva, Rostislav Krimer, Madara Pētersone, Georgijs Osokins, Daniel Ciobanu, Alexei Mochalov, Andrei Pushkarev, Andrei Korobeinikov, Kremerata Baltica, Staatskapelle Dresden, Thomas Sanderling

Deutsche Grammophon 4867190 (Aufnahmeleiter: Bernhard Güttler)

International Classical Music Awards 2026
Gewinner in den Kategorien „Premiere Recordings“ & „Album of the Year“


Schostakowitsch im Zeichen von TACHELES

Die 17. Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch spüren dem Einfluss jüdischer Musik im Werk Schostakowitschs nach

Die Pianistin Elisabeth Leonskaja erhält in diesem Jahr den Internationalen Schostakowitsch Preis Gohrisch.

Der Freistaat Sachsen hat das Jahr 2026 landesweit zum „Jahr der jüdischen Kultur“ erklärt, um jüdisches Leben und seine Geschichte einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. An diesem Themenjahr mit dem Titel TACHELES beteiligen sich die Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch in ihrer 17. Ausgabe: Dmitri Schostakowitsch hat vielfach den Einfluss der jüdischen Musik auf sein eigenes Schaffen unterstrichen. Dafür stehen Kompositionen wie die 13. Sinfonie „Babi Jar“ ebenso wie das 2. Klaviertrio, das 4. Streichquartett oder der Liedzyklus „Aus jiddischer Volkspoesie.“

Jüdische Zeitgenossen, Klassiker und eine Neuentdeckung
Von besonderer Bedeutung waren für ihn in diesem Kontext die Werke Gustav Mahlers, den er als Vorbild verehrte, und die seines Freundes Mieczysław Weinberg, dem er nach dessen Flucht vor den Nationalsozialisten 1943 in Moskau dauerhaften Aufenthalt ermöglichte. Werke beider Komponisten stehen auf dem diesjährigen Programm – ebenso wie Kompositionen von Alfred Schnittke, der Schostakowitschs Erbe als Vertreter einer jungen sowjetischen Avantgarde weitertrug; von Erwin Schulhoff, dessen vielversprechende Karriere in Dresden begann und 1942 viel zu früh im Internierungslager Wülzburg (Bayern) tragisch endete; außerdem von Felix Mendelssohn Bartholdy, dessen Wirken als Gewandhauskapellmeister von Leipzig aus weit in die Musikwelt ausstrahlte.

„Dmitri Schostakowitsch hat immer wieder auf die Bedeutung der jüdischen Kultur für sein eigenes Schaffen hingewiesen. Wir spüren diesen Verbindungen in diesem Jahr nach, indem wir ihm Werke von jüdischen Zeitgenossen, Nachgeborenen, aber auch Klassikern wie Felix Mendelssohn Bartholdy gegenüberstellen. Mit dem Komponisten Lew Abeliowitsch wird es außerdem eine spannende Neuentdeckung geben, dessen Werke bei uns bislang völlig unbekannt sind“, erklärt Tobias Niederschlag, Künstlerischer Leiter der Schostakowitsch-Tage.

Der Weißrusse Lew Abeliowitsch (1912-1985) studierte in Warschau und floh 1939 nach dem deutschen Überfall auf Polen mit seinem Kommilitonen Mieczysław Weinberg über Minsk nach Moskau. Dort ließ er sich – wie Weinberg – durch das Umfeld von Schostakowitsch und David Oistrach inspirieren. 1951 kehrte infolge der Antisemitismus-Kampagne Stalins nach Minsk zurück, wo er bis zu seinem Tod 1985 kompositorisch tätig war. Anders als die Musik seines Freundes Weinbergs, dem er mehrere Werke widmete, harrt sein Schaffen jedoch nach wie vor der Entdeckung. Der Pianist Rostislav Krimer betreut den Nachlass und hat es sich zur Aufgabe gemacht, diesen vergessenen Komponisten ins Bewusstsein zu bringen. Gemeinsam mit Nils Mönkemeyer (Viola), Elli Choi (Violine) und Friedrich Thiele (1. Konzertmeister der Violoncelli der Sächsischen Staatskapelle Dresden) wird er einige Kammermusikwerke Abeliowitschs in Gohrisch als Europäischen Erstaufführungen vorstellen.

Schostakowitsch-Preis für Elisabeth Leonskaja
Viele weitere prominente Künstlerinnen und Künstler sind am diesjährigen Programm beteiligt: Gidon Kremer und seine Kremerata Baltica musizieren zur Eröffnung Werke von Schostakowitsch, darunter die Streichorchesterfassung des in Gohrisch entstandenen 8. Streichquartetts, Schnittke und dem lettischen Zeitgenossen Pēteris Vasks. Solistin in dessen Meditation „Einsamer Engel“ ist Vineta Sareika, ehemalige Primaria des Artemis Quartetts und bis 2025 Konzertmeisterin der Berliner Philharmoniker. In einem Kammerabend gastiert erneut das renommierte Quatuor Danel, diesmal mit Streichquartetten von Schostakowitsch, Weinberg und Mendelssohn. Mit der legendären Pianistin Elisabeth Leonskaja, die noch mit Schostakowitsch zusammenarbeitete, findet das Quartett außerdem zu einem Gipfeltreffen zusammen, bei der Leonskaja der diesjährige Schostakowitsch-Preis verliehen wird. Auch sie ist ein weiteres Mal in der Konzertscheune zu erleben: mit Schostakowitschs 2. Klaviersonate, auf die die Streichoktette von Schostakowitsch und Mendelssohn folgen. Hierfür wurde ein einzigartiges Ensemble zusammengestellt, das Vadim Gluzman (Violine), Nils Mönkemeyer sowie Mitglieder der Kremerata Baltica und der Sächsischen Staatskapelle vereint.

Ingo Metzmacher am Pult der Staatskapelle
Vadim Gluzman ist auch der Solist der Aufführungsmatinee der Sächsischen Staatskapelle Dresden, des Patenorchesters der Schostakowitsch-Tage, das diesmal unter der Leitung von Ingo Metzmacher musiziert. Metzmacher kehrt nach vielen Jahren ans Kapellpult zurück und dirigiert Werke von Schostakowitsch (Violinsonate op. 134 in einer Orchesterfassung von Krzysztof Meyer), Weinberg sowie den „Cantus in Memory of Benjamin Britten“ von Arvo Pärt – eine Hommage an den britischen Komponisten und Schostakowitsch-Freund, der vor 50 Jahren verstarb. Das Abschlusskonzert gestalten viele der genannten Künstlerinnen und Künstler gemeinsam mit Onute Gražinytė (Klavier), Paul Moosbrugger (Soloklarinettist der Sächsischen Staatskapelle) und den Gesangssolisten Sarah Gilford, Hagar Sharvit und Lukas Schmidt. Werke von Prokofjew, Mahler, Schnittke und Schulhoff sowie Schostakowitschs Vokalzyklus „Aus jiddischer Volkspoesie“ unterstreichen hierbei noch einmal das Festival-Motto TACHELES.

Buchvorstellung und Sonderkonzert
Teil des Programms in Gohrisch ist auch eine Buchpräsentation, bei der die Autorin und Filmemacherin Elena Yakovich ihr 2025 erschienenes Buch „Zu zweit. Irina Antonowna Schostakowitsch – Mein Leben mit Dmitri Schostakowitsch“ vorstellt. Dieses basiert auf raren Interviews mit der Witwe des Komponisten und Schirmherrin des Festivals. Der gleichnamige Dokumentarfilm kam bereits 2024 in Gohrisch zur Europäischen Erstaufführung.

Den Vorabend der Schostakowitsch-Tage gestaltet erneut die Sächsische Staatskapelle Dresden mit einem Sonderkonzert im Dresdner Kulturpalast (24. Juni 2026 – Tickets über staatskapelle-dresden.de). Philippe Jordan, designierter Chefdirigent des Orchestre National de France, leitet Aufführungen des 2. Violinkonzertes mit der Solistin Isabelle Faust sowie der 10. Sinfonie, die Schostakowitsch 1953 als musikalische Abrechnung mit dem Stalin-Regime komponierte.


"Shostakovich Discoveries" mit dem ICMA 2026 ausgezeichnet


Das im Mai 2025 bei der Deutschen Grammophon erschienene Album „Shostakovich Discoveries“ umfasst Raritäten und Weltersteinspielungen von Dmitri Schostakowitsch – die meisten davon aufgenommen bei den Internationalen Schostakowitsch Tagen Gohrisch. Die Preisverleihung findet am 18. März 2026 in der Konzerthalle Bamberg statt.

Anlässlich des 50. Todestages von Dmitri Schostakowitsch veröffentlichte die Deutsche Grammophon im Mai 2025 das Album „Shostakovich Discoveries“. Darauf enthalten sind 75 Minuten weitgehend unbekannter Musik von Schostakowitsch, interpretiert von international renommierten Künstlerinnen und Künstlern und zum Großteil live mitgeschnitten bei den Uraufführungen im Rahmen der Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch. Unter den Raritäten und Weltersteinspielungen
finden sich u. a. frühe und mittlere Klavierwerke (Daniil Trifonov, Yulianna Avdeeva, Daniel Ciobanu), ein nachgelassenes Impromptu für Viola und Klavier (Nils Mönkemeyer, Rostislav Krimer), die späte Ballade „Der Nagel von Jelabuga“ für Bass und Klavier in der Vervollständigung von Alexander Raskatov
(Alexander Roslavets, Andrei Korobeinikov) und drei nachgelassene Fragmente aus der Oper „Die Nase“ (Staatskapelle Dresden, Thomas Sanderling). Das Album wurde in der Presse vielfach hochgelobt – jetzt wird es in der Kategorie „Premiere Recordings“ mit dem International Classical Music Award
(ICMA) 2026 ausgezeichnet.

Der ICMA wird alljährlich von einer 20-köpfigen Jury aus 16 Ländern vergeben und gilt in der Branche als „Klassik-Oscar“. In der Begründung der Jury heißt es: „Ein halbes Jahrhundert nach dem Tod von Dmitri Schostakowitsch ist dieses Album mit Raritäten und weniger bekannten Werken eines der größten Komponisten des 20. Jahrhunderts, gespielt von einer Reihe hochkarätiger Künstler, eine der schönsten Hommagen, die sich ein Künstler wünschen kann. Dieses unverzichtbare Album ist ein Muss in jeder Diskografie des Komponisten der ‚Lady Macbeth von Mzensk‘.“

Der Künstlerische Leiter der Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch, Tobias Niederschlag, der die Veröffentlichung der „Shostakovich Discoveries“ als Executive Producer betreute, freut sich über die Auszeichnung: „Ich danke unseren Partnern bei der Deutschen Grammophon, die uns für dieses Herzensprojekt von Anfang an größtes Vertrauen geschenkt haben. Dieses wird nun mit diesem wunderbaren Preis belohnt. Danken möchte ich auch allen an dem Album beteiligten Künstlerinnen und Künstlern, dem Aufnahmeteam um Bernhard Güttler sowie – last but not least – Irina Schostakowitsch, der Witwe des Komponisten, und Dr. Olga Digonskaya, der international führenden Schostakowitsch-Forscherin, die unserem Festival in den vergangenen Jahren immer wieder Neuentdeckungen zur
Uraufführung anvertraut haben. Ohne sie wäre dieses Album nicht zustande gekommen.“

Die ICMA-Auszeichnungen werden am 18. März 2026 in Verbindung mit einer Gala der Bamberger Symphoniker unter Jakub Hrůša in der Konzerthalle Bamberg verliehen. Am musikalischen Programm sind für die „Shostakovich Discoveries“ u. a. der Bratschist Nils Mönkemeyer und der Pianist Andrei Korobeinikov beteiligt.

Shostakovich Discoveries – World Premiere Recordings & Rarities
Alexei Mochalov, Alexander Roslavets, bass | Gidon Kremer, Madara Pētersone, violin | Nils Mönkemeyer, viola | Yulianna Avdeeva, Daniel Ciobanu, Andrei Korobeinikov, Rostislav Krimer, Georgijs Osokins, Daniil Trifonov, piano | Andrei Pushkarev, percussion | Kremerata Baltica, Staatskapelle Dresden | Thomas Sanderling, conductor
Deutsche Grammophon (2025)


Rückschau und Ausblick

Das Schostakowitsch-Jahr 2025 neigt sich dem Ende zu. Mit vielen Großereignissen wurde weltweit des 50. Todestages unseres Namensgebers gedacht, in Leipzig, Paris und zuletzt in Mailand – aber auch bei unseren 16. Internationalen Schostakowitsch Tagen in Gohrisch, zu denen wir so viele Besucherinnen und Besucher begrüßen konnten wie nie zuvor.

Liebe Vereinsmitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde der Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch,

Wir blicken zuversichtlich und erwartungsvoll auf das Jahr 2026, in dem ein „kleines“ Jubiläum ansteht: der 120. Geburtstag Dmitri Schostakowitschs, den wir beim nächsten Festival würdigen werden. Dieses wird vom 25. bis 28. Juni 2026 im Kurort Gohrisch stattfinden, wieder eingeläutet durch ein Sonderkonzert der Sächsischen Staatskapelle am Vorabend im Dresdner Kulturpalast (24. Juni 2026). Neben dem Schostakowitsch-Geburtstag wird das Festival auch im Zeichen des Schwerpunktes „TACHELES – Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026“ stehen, mit dem über das ganze Jahr hinweg im gesamten Freistaat die jüdische Kultur und Geschichte aus verschiedensten Blickwinkeln beleuchtet wird.

Auch im Werk Schostakowitschs haben jüdische Einflüsse vielfältig ihre Spuren hinterlassen. „Ich glaube, wenn man von musikalischen Einflüssen spricht, so hat die jüdische Volksmusik mich am stärksten beeindruckt“, äußerte er in den von Solomon Wolkow herausgegebenen Memoiren „Zeugenaussage“. Entscheidenden Anteil daran hatte sein Komponistenfreund Mieczysław Weinberg, dessen Musik erst seit wenigen Jahren entdeckt wird und in Gohrisch schon mehrfach auf dem Programm stand. Werke von Weinberg, Schnittke und Mahler prägen das nächste Festival, das noch eine weitere Entdeckung bereithalten wird: die Musik des weißrussischen Komponisten Lew Abeliowitsch (1912-1985), dessen Familie – wie die Weinbergs – im Holocaust umkam und der gemeinsam mit Weinberg von Warschau über Minsk in Moskau landete und ebenfalls zum Zirkel um Schostakowitsch gehörte. Seine Musik ist außerhalb Weißrusslands völlig unbekannt, und wir sind gespannt auf einige seiner Kammermusikwerke, die wir in Gohrisch zur Erstaufführung bringen werden.

Internationale Schostakowitsch Tage 2026

Für all diese Vorhaben haben wieder namhafte Künstlerinnen und Künstler ihre Mitwirkung zugesagt, darunter die Pianistinnen Onutė Gražinytė und Yulianna Avdeeva, das Quatuor Danel, der Bratschist Nils Mönkemeyer, der Pianist Rostislav Krimer und die Kremerata Baltica. Und natürlich unser Partnerorchester, die Sächsische Staatskapelle Dresden, die in diesem Jahr verdientermaßen mit dem Schostakowitsch-Preis ausgezeichnet wurde. Ihre Aufführungsmatinee wird 2026 von Ingo Metzmacher geleitet, der nach vielen Jahren endlich wieder ans Pult der Staatskapelle zurückkehrt. Auch mindestens eine Schostakowitsch-Uraufführung wird es im kommenden Jahr wieder geben – im Detail werden wir das Programm im Februar 2026 vorstellen.

Sonderpreis im Vorverkauf

Sie haben aber schon jetzt wieder die Möglichkeit, Ihre Festivalpässe vorab zu erwerben. Für einen Sonderpreis von 250 € können Sie sich ab sofort Ihre Tickets für sämtliche Veranstaltungen des nächsten Festivals in Gohrisch sichern. Schreiben Sie einfach eine formlose E-Mail an tickets©schostakowitsch-tage.de unter Angabe der Anzahl der Pässe, Ihrer Adresse und Ihres Namens. Ihre Bestellungen werden dann von Christiane Mörke und Karsten Blüthgen (Geschäftsführung der FEKUSS gGmbH) in bewährter Weise bearbeitet. Dieses Angebot gilt bis zum 31. Januar 2026. Danach sind die Pässe im offiziellen Vorverkauf zum Normalpreis erhältlich. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie auch diesmal wieder regen Gebrauch von dem Angebot machen würden.

Empfehlungen

Sollten Sie darüber hinaus noch auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken sein, legen wir Ihnen unsere diversen Schostakowitsch-Veröffentlichungen des letzten Jahres ans Herz: die CD „Shostakovich Discoveries“ der Deutschen Grammophon mit etlichen Mitschnitten von Schostakowitsch-Erst- und Uraufführungen aus Gohrisch; oder die Gesamteinspielung der 24 Präludien und Fugen op. 87 mit der großartigen Yulianna Avdeeva bei Pentatone; außerdem die spannende Lebensgeschichte Irina Antonowna Schostakowitschs an der Seite ihres Mannes, aufgezeichnet von der Filmemacherin Elena Yakovich und unter dem Titel „Zu zweit“ erschienen im Jaron-Verlag; und natürlich den fundierten Schostakowitsch-Ausstellungskatalog von Dr. Alexander Gurdon, den Sie auf unserer Website direkt bestellen können. All diese Veröffentlichungen wurden von den Schostakowitsch-Tagen angeregt und waren in dieser Form nur im Jubiläumsjahr möglich!

Im Gedenken

Zum Jahresende möchten wir an dieser Stelle noch einmal derer gedenken, die uns dieses Jahr verlassen haben. Zu nennen ist hier die große Komponistin Sofia Gubaidulina, die im März 2025 verstarb und uns durch mehrere Uraufführungen eng verbunden war. Ebenso mussten wir uns von unserer Ehrenvorsitzenden Friederike Kübler verabschieden, die unser Festival in den Anfangsjahren mit unermüdlichem Engagement vorangebracht und auf eine Basis gestellt hat, von der wir bis heute profitieren. Auch der Tod von Dr. Bernd Feuchtner hat uns erschüttert. Als Journalist lieferte er schon 2005 mit einem Artikel über Schostakowitsch in Gohrisch eine wesentliche Initialzündung für unser Festival; später war er uns ein wichtiger Ratgeber, zuletzt im Kuratorium.

Nun bleibt es uns noch, Ihnen und Ihren Familien ein gesegnetes und friedliches Weihnachtsfest zu wünschen! Bleiben Sie gesund und zuversichtlich und starten Sie gut ins neue Jahr. Wir freuen uns auf das Wiedersehen oder die Erstbegegnung mit Ihnen bei den 17. Internationalen Schostakowitsch Tagen Gohrisch 2026!

Sehr herzlich,

Tobias Niederschlag
Künstlerischer Leiter und Vorsitzender des Vorstands


Trauer um die Ehrenvorsitzende Friederike Kübler (1947–2025)

Mit tiefer Trauer nehmen wir Abschied von unserer Ehrenvorsitzenden Friederike Kübler, die am 12. August 2025 nach schwerer Krankheit in Berlin verstarb.

Friederike Kübler in Gohrisch, 2012 (c) Matthias Creutziger

Ihre Verdienste um die Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch können nicht hoch genug eingeschätzt werden: Durch die Vermittlung des Cellisten Isang Enders stieß sie 2011 zum Vorstand unseres Vereins „Schostakowitsch in Gohrisch“ und trug als Vorsitzende maßgeblich dazu bei, das noch junge Festival in der Region zu etablieren und finanziell auf sichere Beine zu stellen. Dies tat sie mit außergewöhnlichem Engagement, mit Benefizkonzerten in ihrer Dresdner Wohnung, einem großen Netzwerk aus ungezählten persönlichen Kontakten, Sponsoren und Politikern, mit ihren Bemühungen um die Helferinnen und Helfer in Gohrisch, und immer mit einem ansteckenden Tatendrang, dem sich niemand entziehen konnte: „Ablehnung – Verwunderung – Bewunderung – Begeisterung“ – mit dieser Steigerung hat sie die Reaktion auf ihr Werben für das Festival gern beschrieben. Und genauso war es: Rike Kübler war ein „Menschenfänger“ im besten Sinne, und ohne ihr Engagement würde es die Schostakowitsch Tage heute vermutlich nicht mehr geben.

All dies hat aber auch viel Kraft gekostet und ging nicht spurlos an ihr vorbei. Sie war sehr erleichtert, als wir 2014 den Großteil ihrer Aufgaben an den erfahrenen Geschäftsführer Martin Steude übergeben konnten, der die Gründung einer gGmbH vorantrieb, die letztlich eine jährlich wiederkehrende Institutionelle Förderung durch den Freistaat Sachsen ermöglichte und damit das Fortbestehen der Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch dauerhaft sicherte. Dies alles wäre ohne die Weichenstellungen Rike Küblers nicht möglich gewesen. Im gleichen Jahr wurde sie Ehrenvorsitzende unseres Vereins, 2016 zog sie nach Berlin und verfolgte die weitere Entwicklung aus der Ferne. Regelmäßig kam sie jedoch mit ihrem großen Freundeskreis zum Festival, das sie – wie sie selbst sagte – „nun endlich aus vollen Zügen genießen“ konnte.

In den letzten Jahren war ihr dies aus gesundheitlichen Gründen leider nicht mehr möglich. Bis zuletzt blickte sie aber glücklich und mit großer Zufriedenheit auf die Arbeit für das Festival und das gemeinsam in Gohrisch Erreichte. Wir behalten Rike Kübler als kluge, mutige und impulsive Mitstreiterin in dankbarer Erinnerung und werden ihr Wirken als Vorbild in unseren Herzen tragen. Ihrer Tochter Elisa und ihren engsten Freunden und Angehörigen sprechen wir unser tiefes Mitgefühl aus.

Der Vorstand des Vereins „Schostakowitsch in Gohrisch“
Tobias Niederschlag – Peter Kochan – Katharina Riedeberger – Caroline Urban – Stephan Pätzold – Bernhard Kury


Ein Höhepunkt des Schostakowitsch-Gedenkjahrs

Mit über 3.500 Besuchern in acht Veranstaltungen sind am Sonntag, den 29. Juni 2025, die 16. Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch zu Ende gegangen. Das entspricht einer Auslastung von ca. 90 %. Am Vormittag des letzten Festivaltages wurde die Sächsische Staatskapelle Dresden mit dem Internationalen Schostakowitsch Preis Gohrisch ausgezeichnet. Das Festival stand in diesem Jahr im Zeichen des 50. Todestages des Komponisten.

Die russische Menschenrechtsaktivistin Irina Scherbakowa hielt die Eröffnungsrede der diesjährigen Internationalen Schostakowitsch Tage.
Die weltweit gefeierte Pianistin Yulianna Avdeeva ist seit einigen Jahren den Schostakowitsch Tagen eng verbunden. In diesem Jahr gab sie eine Klaviermatinee mit Präludien und Fugen von Schostakowitsch sowie den 24 Préludes von Frédéric Chopin.
Im Aufführungsabend am Freitagabend erklang u.a. die 14. Symphonie von Dmitri Schostakowitsch. Am Pult der Kremerata Baltica stand Mirga Gražinytė-Tyla, die ebenso wie die beiden Solisten Elena Tsallagova und Alexei Botnarciuk ihr Debüt in der Gohrischer Konzertscheune gab.
Orchestervorstand Friedwart Christian Dittmann hält den Internationalen Schostakowitsch Preis Gohrisch 2025 in den Händen.

Das Jubiläum wurde von vielen hochrangigen Künstlern gestaltet: Das Quatuor Danel war ebenso wieder mit dabei wie die Pianistinnen Onutė Gražinytė und Yulianna Avdeeva. Zum ersten Mal in Gohrisch gastierten der Bassist Alexander Roslavets und der Pianist Andrei Korobeinikov, die mit der Romanze „Der Nagel von Jelabuga“ ein erst kürzlich entdecktes Spätwerk von Schostakowitsch zur Uraufführung brachten. Auch der Cellist David Geringas und der Bajan-Spieler Geir Draugsvoll, die eine Hommage an die im März 2025 verstorbene Komponistin Sofia Gubaidulina gestalteten und in einem Gespräch mit Jan Brachmann über ihre Zusammenarbeit mit der Komponistin berichteten, waren erstmals in der Konzertscheune zu erleben. 

Maßgeblich geprägt wurde das Programm, das außerdem Werke von Schostakowitschs Vorbildern Bach, Beethoven und Chopin sowie von Mieczysław Weinberg und dem Schostakowitsch-Schüler Benjamin Fleischmann umfasste, von Mitgliedern der Sächsischen Staatskapelle Dresden, die u. a. zur Eröffnung das 1960 in Gohrisch entstandene achte Streichquartett musizierten. Eine Lesung mit Musik wurde von weiteren Kapellmitgliedern und dem Schauspieler Ulrich Noethen gestaltet, der ebenfalls sein Debüt bei den Schostakowitsch-Tagen gab. Zwei Orchesterkonzerte, eines mit der Kremerata Baltica unter der Dirigentin Mirga Gražinytė-Tyla und eines der Sächsischen Staatskapelle Dresden unter Dmitri Jurowski rundeten das Programm ab.

Zur Eröffnung sprach die russische Menschenrechtlerin und MEMORIAL-Mitbegründerin Irina Scherbakowa in Gohrisch. Im Rahmen der Aufführungsmatinee der Sächsischen Staatskapelle am letzten Festivaltag wurde das Orchester für sein Engagement seit Beginn der 2010 erstmals ausgerichteten Schostakowitsch-Tage mit dem Internationalen Schostakowitsch Preis Gohrisch ausgezeichnet.

Tobias Niederschlag, Künstlerischer Leiter des Festivals, zeigte sich mit dem 16. Jahrgang hochzufrieden: „Wieder haben viele Schostakowitsch-Begeisterte aus dem In- und Ausland die Konzerte in Gohrisch besucht. Wir sind sehr glücklich mit dem Verlauf des Festivals, das als ein Höhepunkt der Schostakowitsch-Aktivitäten im diesjährigen Gedenkjahr gelten kann. Mit der Uraufführung der Romanze ‚Der Nagel von Jelabuga‘ konnten wir ein bedeutendes Spätwerk des Komponisten zur Uraufführung bringen, das von Gohrisch aus hoffentlich den Weg ins internationale Konzertrepertoire finden wird.“

Die 17. Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch sind vom 25. bis 28. Juni 2026 geplant und werden wieder durch ein Sonderkonzert der Sächsischen Staatskapelle am 24. Juni im Dresdner Kulturpalast eingeläutet.

 


„Ein Komponist, den ich seit meiner Kindheit verehre“

Die russische MEMORIAL-Mitbegründerin Irina Scherbakowa spricht zur Eröffnung der Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch.

Irina Scherbakowa © M. Weiss, Zukunft MEMORIAL
Irina Scherbakowa © M. Weiss, Zukunft MEMORIAL

Für die Eröffnungsrede der 16. Internationalen Schostakowitsch Tage, die vom 26. bis 29. Juni 2025 im sächsischen Kurort Gohrisch stattfinden, konnte die russische Menschenrechtlerin Prof. Dr. Irina Scherbakowa gewonnen werden. Die weltweit geachtete Germanistin und Kulturwissenschaftlerin ist Mitbegründerin der Menschenrechtsorganisation MEMORIAL, die sich die Aufarbeitung der Verbrechen des Stalinismus in der ehemaligen Sowjetunion zur Aufgabe gemacht hat und 2022 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine verließ Irina Scherbakowa ihre russische Heimat und gründete in Berlin gemeinsam mit langjährigen Weggefährten die Organisation Zukunft MEMORIAL, mit der sie die Aufklärungsarbeit von MEMORIAL aus dem Exil heraus weiterführt. 

„Voller Vorfreude blicke ich auf meinen Besuch bei den Schostakowitsch-Tagen in Gohrisch, die einem Komponisten gewidmet sind, den ich seit meiner Kindheit verehre“, bekennt Irina Scherbakowa. „Dmitri Schostakowitsch kann als ein musikalischer Chronist seiner Epoche bezeichnet werden. Viele seiner Werke dokumentieren die Schrecken der Stalinzeit und des Poststalinismus, unter denen er gelitten und gearbeitet hat. Es ist ihm hoch anzurechnen, dass er – auf einer schwierigen Gratwanderung zwischen staatlicher Unterdrückung und offizieller Anerkennung – die Wahrhaftigkeit und tiefe Menschlichkeit in seiner Musik nicht aus den Augen verloren hat.“

Schostakowitsch gilt als eine der bedeutendsten und komplexesten Musikerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Bei einem Auslandsaufenthalt komponierte er 1960 im sächsischen Gohrisch sein 8. Streichquartett – eines seiner persönlichsten Werke, in dem er seinem Leiden unter dem Sowjetregime eindringlich Ausdruck verlieh. Offiziell widmete er das Quartett „den Opfern von Krieg und Faschismus“. Seit 2010 werden in Gohrisch, in Kooperation mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden, die Internationalen Schostakowitsch Tage ausgerichtet, die seither alljährlich führende Schostakowitsch-Interpreten und ein Publikum aus aller Welt in den Luftkurort ziehen. In diesem Jahr steht das Festival im Zeichen des 50. Todestages von Schostakowitsch, der am 9. August 1975 in Moskau starb.

„Für uns ist die Anwesenheit von Irina Scherbakowa eine große Ehre“, sagt Tobias Niederschlag, Mitbegründer und Künstlerischer Leiter der Schostakowitsch-Tage. „Seit einigen Jahren stehen wir schon in Kontakt und ich bin sehr glücklich, dass der Besuch in diesem Jahr möglich wird. Irina Scherbakowas Verdienste um die Aufarbeitung stalinistischer Verbrechen können gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, zumal sie damit immer wieder erschreckende Parallelen zu unserer Gegenwart offenlegt. Genau das finden wir auch bei Schostakowitsch: Auch er hatte zeitlebens die Vision von einem anderen, besseren Russland und seine Musik erscheint uns 50 Jahre nach seinem Tod noch immer so aktuell wie zu ihrer Entstehungszeit. “

Für den 16. Jahrgang der Schostakowitsch-Tage werden renommierte Künstler wie die Pianistinnen Yulianna Avdeeva und Onutė Gražinytė, der Cellist David Geringas, der Schauspieler Ulrich Noethen, die Kremerata Baltica unter Mirga Gražinytė-Tyla sowie die Sächsische Staatskapelle Dresden unter Dmitri Jurowski in Gohrisch erwartet. Einen Höhepunkt des Festivals verspricht ein Liederabend mit Alexander Roslavets (Bass) und Andrei Korobeinikov (Klavier), bei dem ein erst kürzlich entdecktes, spätes Fragment von Schostakowitsch zur Uraufführung gelangen wird: „Der Nagel von Jelabuga“ wurde von Alexander Raskatov vervollständigt und ist eine dramatische Ballade auf ein Gedicht von Jewgeni Jewtuschenko. Dieses thematisiert den Selbstmord der russischen Dichterin Marina Zwetajewa im Jahr 1941, die ebenfalls als prominentes Opfer des Stalinismus gelten muss.


Shostakovich Discoveries

Deutsche Grammophon veröffentlicht Weltersteinspielungen von den Internationalen Schostakowitsch Tagen Gohrisch

Anlässlich des 50. Todestages von Dmitri Schostakowitsch bringt die Deutsche Grammophon ein exklusives Album mit Weltersteinspielungen und Raritäten heraus – die meisten davon aufgenommen bei den Internationalen Schostakowitsch Tagen im sächsischen Gohrisch, dem weltweit einzigen jährlich stattfindenden Schostakowitsch-Festival. 75 Minuten weitgehend unbekannte Musik von Schostakowitsch, interpretiert von Künstlerinnen und Künstlern wie Daniil Trifonov, Gidon Kremer, Nils Mönkemeyer, Yulianna Avdeeva, der Kremerata Baltica und der Staatskapelle Dresden unter Leitung von Thomas Sanderling, machen dieses Album zu einem Muss für jeden Schostakowitsch-Fan.

Hören Sie die erste Single, Fuge Nr. 3 aus Drei Fugen, hier.

Dmitri Schostakowitsch gilt als eine der komplexesten Musikerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Sein Leben und Wirken in der ehemaligen Sowjetunion waren genauso von staatlicher Unterdrückung geprägt wie von offizieller Anerkennung. So sind viele seiner Werke eine Gratwanderung zwischen diesen Polen – und häufig gekennzeichnet von versteckten Botschaften zwischen den Zeilen. Eines seiner persönlichsten Werke, in dem er seinem Leiden unter dem Sowjetregime Ausdruck verlieh, ist das 8. Streichquartett c-Moll, das er 1960 im Kurort Gohrisch in der Sächsischen Schweiz komponierte. Dort finden seit 2010 in Kooperation mit der Staatskapelle Dresden alljährlich die Internationalen Schostakowitsch Tage statt.

In engem Austausch mit der Witwe des Komponisten Irina Schostakowitsch und der Musikwissenschaftlerin Dr. Olga Digonskaja, die als Leitende Archivarin des Moskauer Schostakowitsch-Archivs in den vergangenen Jahrzehnten an die 300 unbekannte Werke des Komponisten zutage förderte, konnte das Festival immer wieder Uraufführungen und Raritäten von Schostakowitsch vorstellen. Eine Auswahl dieser neuen Werke wird auf dem Album Shostakovich Discoveries erstmals veröffentlicht. Hier stehen Frühwerke des Teenagers und Gelegenheitsstücke neben ausgereiften Kompositionen des späteren Meisters – darunter auch brisante Werke, die in der Schublade verschwanden oder gar nicht erst zu Ende komponiert wurden. Das Album deckt damit ein ganzes Spektrum verschiedener Ausdruckswelten Schostakowitschs ab; oder wie es der Musikjournalist Jan Brachmann in seinem fundierten Booklettext formuliert: „So erweitern und ergänzen diese Entdeckungen unser Bild von Schostakowitsch auch heute noch.“

Neufassung eines Schlüsselwerkes: der Antiformalistische Rajok für Kammerorchester
Den Anfang macht der Antiformalistische Rajok, eine bissige Kantate, mit der Schostakowitsch 1948 auf seine zweite öffentliche Verurteilung durch das Sowjetregime reagierte. Das Werk spiegelt die Szenerie im Komponistenverband satirisch überzeichnet wider – Schostakowitsch schrieb es für die Schublade, an eine Aufführung war nicht zu denken. Erst 1989, viele Jahre nach seinem Tod, führte es sein enger Weggefährte Mstislaw Rostropowitsch in Washington erstmals öffentlich auf. Die Kremerata Baltica präsentierte 2014 in Gohrisch eine neue Fassung für Bass und Kammerorchester von Andrei Pushkarev (im Original sieht das Werk vier Bassstimmen, gemischten Chor und Klavier vor), die das Ensemble mit dem Bassisten Alexei Mochalov wenige Tage später in der Dresdner Musikhochschule produzierte.

Auch der Geiger Gidon Kremer, Gründer und Leiter der Kremerata Baltica, ist auf dem Album zu hören: 2021 spielte er mit Madara Pētersone und Georgijs Osokins beim Festival die Fünf Stücke für zwei Violinen und Klavier, die Lewon Atowmjan 1961 aus leichtgewichtigen Film- und Ballettmusiken Schostakowitschs zusammenstellte und arrangierte und die der Komponist ausdrücklich guthieß.

Ein Gelegenheitswerk ist das kurze Impromptu für Viola und Klavier, das Schostakowitsch 1931 für einen befreundeten Bratschisten komponierte. Die Notenblätter wurden erst 2017 entdeckt und ein Jahr später von Nils Mönkemeyer und Rostislav Krimer in Anwesenheit der Witwe Schostakowitschs in Gohrisch uraufgeführt.

Völlig unbekannt: drei Fragmente aus der Oper Die Nase
Das zweite Orchesterwerk des Albums ist von besonderer Bedeutung: Es sind drei nachgelassene Fragmente, die nicht in die finale Version der Oper Die Nase op. 15 (1930) aufgenommen wurden. Irina Schostakowitsch vertraute die detailliert ausgearbeiteten Orchestervor- und -zwischenspiele dem Dirigenten Thomas Sanderling an. Der älteste Sohn von Dirigentenlegende Kurt Sanderling war wie dieser mit Schostakowitsch befreundet, hatte ihn bei seinem zweiten Aufenthalt in Gohrisch 1972 noch dort besucht und brachte die Fragmente 2017 am Pult der Staatskapelle Dresden in Gohrisch zur Uraufführung.

Klavierminiaturen und Vorboten späterer Meisterschaft
Ein Großteil der Shostakovich Discoveries ist Klaviermusik, ausgehend vom frühen, um 1920 komponierten Scherzo op. 1a und den Drei Fugen aus dem Jahr 1934. Handelt es sich beim Scherzo des damals 14-jährigen Komponisten um die Urfassung seines wenig später entstandenen Orchesterscherzos op. 1, Schostakowitschs erstem Orchesterwerk, so verweisen die Drei Fugen bereits auf den großen Zyklus der 24 Präludien und Fugen op. 87, den er Anfang der 1950er-Jahre schrieb. Daniil Trifonov spielte die Werke 2020 für einen Live-Stream während der Corona-Pandemie in seiner Wohnung in Greenwich, Connecticut, ein. Der Stream war eine Kooperation von Deutsche Grammophon, den Internationalen Schostakowitsch Tagen Gohrisch und dem Mitteldeutschen Rundfunk, und insgesamt neun Klavierstücke von Schostakowitsch wurden hierbei als Uraufführungen vorgestellt.

Teil des Streams war auch die Premiere eines Präludium-und-Fuge-Paars mit der Pianistin Yulianna Avdeeva, das sie in Gohrisch einspielte. Für seinen Zyklus op. 87 entwarf Schostakowitsch 1950 ein Präludium in cis-Moll, das er aber verwarf und durch ein neues ersetzte. Der Entwurf wurde 2005 von Olga Digonskaja entdeckt, 2019 vom Komponisten und Schostakowitsch-Biographen Krzysztof Meyer vervollständigt und um eine Fuge ergänzt. Der Mitschnitt der Uraufführung wird auf diesem Album veröffentlicht. 2023 brachte Avdeeva in Gohrisch die Klavierminiatur Murzilka zur Uraufführung, die Schostakowitsch vermutlich 1944 zum Jubiläum der gleichnamigen sowjetischen Kinderzeitschrift komponiert hatte.

Ebenso stand 2019 ein Werk des erst 13-jährigen Komponisten in Gohrisch auf dem Programm: Daniel Ciobanu spielte das Klavierstück Im Wald aus dem Jahr 1919, dessen impressionistische Klanglichkeit auf die damaligen Vorlieben des Teenagers verweist.

Ein Schostakowitsch-Release vor der Uraufführung: Der Nagel von Jelabuga
Ein Höhepunkt des Albums ist der letzte Track: eine unvollendete Romanze auf das Gedicht Der Nagel von Jelabuga von Jewgeni Jewtuschenko für Bass und Klavier. Olga Digonskaja fand das späte Fragment 2023 und vertraute es den Schostakowitsch Tagen zur Uraufführung an. Diese beauftragten den Komponisten Alexander Raskatov mit der Vervollständigung, die im März 2025 von Alexander Roslavets und Andrei Korobeinikov im Studio in Berlin aufgenommen wurde.

Das gut 10-minütige Stück ist laut Raskatov eine „große dramatische Ballade“. Entstanden um 1971, thematisiert es den Selbstmord der Dichterin Marina Zwetajewa in Jelabuga, der nur wenig verschlüsselt den stalinistischen Machthabern angelastet wird. Musikalisch weist die Ballade bereits auf andere Spätwerke voraus, so auf Schostakowitschs 15. und letzte Symphonie. Digonskaja bezeichnet sie deshalb als eine Art „schöpferisches Labor“ für die Symphonie.

Die Uraufführung des Nagels von Jelabuga wird mit den Interpreten der vorliegenden Weltersteinspielung am 28. Juni 2025 in Gohrisch erfolgen – die Aufnahme bietet also die seltene Gelegenheit, diese beeindruckende Entdeckung noch vor ihrer Konzertpremiere kennenzulernen.

Shostakovich Discoveries ist ab 23. Mai 2025 im Handel erhältlich.

 

„Ich danke den Organisatoren der Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch für die Uraufführungen bisher nicht gespielter Werke von Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch. Diese Werke wurden von der Musikwissenschaftlerin Olga Digonskaja gefunden und bei DSCH Publishers, Moskau, veröffentlicht. Anlässlich des 50. Todestages des Komponisten erscheint nun dieses Album der Deutschen Grammophon mit unbekannten Werken von Schostakowitsch. Ich habe keinen Zweifel daran, dass es ein wohlverdienter Erfolg bei den Fans und Liebhabern von Schostakowitschs Musik sein wird.“
Irina Schostakowitsch, Witwe des Komponisten Dmitri Schostakowitsch

„Zu Schostakowitschs Lebzeiten war es undenkbar, dass eines seiner Werke außerhalb der Sowjetunion zur Uraufführung hätte gelangen können. Dies lag nicht am Komponisten, sondern an den strengen Reglements der sowjetischen Kulturpolitik. Umso mehr freut es mich, dass wir in den vergangenen Jahren etliche unbekannte Werke aus seiner Feder in Gohrisch zur Uraufführung bringen konnten. Hierfür sind wir Irina Schostakowitsch und Olga Digonskaja außerordentlich dankbar! Mit dieser Veröffentlichung der Deutschen Grammophon werden diese Stücke einem größeren Publikum zugänglich und das Bild von Schostakowitsch, das auch 50 Jahre nach seinem Tod noch häufig kryptisch anmutet, weiter differenziert.“
Tobias Niederschlag, Künstlerischer Leiter Internationale Schostakowitsch Tage Gohrisch

„Es war eine elektrisierende Erfahrung, die Welterstaufführungen von Schostakowitsch-Werken durch Daniil Trifonov und Yulianna Avdeeva während der Pandemie durch Live-Streams miterleben zu können, die Deutsche Grammophon damals gemeinsam mit den Internationalen Schostakowitsch Tagen Gohrisch und dem Mitteldeutschen Rundfunk einem weltweiten Publikum ermöglicht hat. Dass diese Aufnahmen wie auch weitere musikhistorisch bedeutsame und erhellende Ersteinspielungen von Schostakowitsch-Partituren nun als Kompendium vorliegen, ist für uns eine große Freude. Das Album fügt sich in die eindrucksvolle Reihe von Erstveröffentlichungen, die Deutsche Grammophon zuletzt auch mit wiederentdeckten Mozart- und Chopin-Werken erfolgreich und höchst publikumswirksam umgesetzt hat.“
Dr. Clemens Trautmann, President Deutsche Grammophon und New Business Strategy
 

 


Zu den Wurzeln und weit darüber hinaus

Das Programm der 16. Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch

Im Zentrum: das 8. Streichquartett
Die Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch stehen 2025 im Zeichen des 50. Todestages von Dmitri Schostakowitsch († 9. August 1975). Bei ihrer 16. Ausgabe, die vom 26. bis 29. Juni 2025 im Kurort Gohrisch stattfindet, sind deshalb zentrale Werke Schostakowitschs zu hören, darunter sein 8. Streichquartett c-Moll op. 110, das er im Juli 1960 in Gohrisch komponierte. Dieses bildet den Rahmen des diesjährigen Programms: Es erklingt im Eröffnungskonzert (26. Juni, 19.30 Uhr), gespielt von Stimmführern der Sächsischen Staatskapelle Dresden, und in der Fassung für Streichorchester von Rudolf Barschai in einer Aufführungsmatinee des Partnerorchesters der Schostakowitsch Tage am letzten Festivaltag (29. Juni, 11 Uhr).

„In diesem Gedenkjahr stellen wir das 8. Streichquartett besonders in den Fokus“, erläutert der künstlerische Leiter Tobias Niederschlag. „Es ist ein Werk, das Schostakowitschs Biographie wie in einem Brennspiegel bündelt, ein autobiographisches Vermächtnis. Beide Fassungen in einem Festivaljahrgang, die Originalfassung und die Bearbeitung von Rudolf Barschai, erklangen bislang nur bei unserem allerersten Festival 2010. Damals wollte Barschai die ‚Kammersymphonie‘ op. 110a noch selbst in Gohrisch dirigieren, musste seine Mitwirkung aber kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen absagen.“

Schostakowitschs Vorbilder …
Neben Werken des Namensgebers blickt das Festival im Gedenkjahr auf seine Vorbilder. So gestaltet Yulianna Avdeeva eine Klaviermatinee mit Werken von Schostakowitsch und Frédéric Chopin (28. Juni, 11 Uhr). „Schostakowitsch war ein hervorragender Pianist“, so die Pianistin. „1927 nahm er am erstmals ausgetragenen Chopin-Wettbewerb in Warschau teil, gewann aber keinen Preis, sondern nur ein Diplom. Das hat dazu beigetragen, dass er sich fortan mehr dem Komponieren als dem Klavier widmete. Der Einfluss von Chopin auf den jungen Schostakowitsch darf aber als ziemlich hoch eingestuft werden.“ In ihrer Matinee stellt Avdeeva einer Auswahl aus Schostakowitschs 24 Präludien und Fugen op. 87 den Zyklus der 24 Préludes von Chopin gegenüber.

Für Schostakowitsch war Bach zeitlebens ein großes Idol. Bei seinem Besuch in Leipzig 1950 bekannte er: „Johann Sebastian Bach, der Genius der Musik, ist einer meiner liebsten Komponisten. Ich spiele täglich Bach.“ In Anlehnung an das „Wohltemperierte Klavier“ schrieb er nach der Leipzig-Erfahrung seinen eigenen Zyklus Opus 87. Der Bassist Alexander Roslavets und der Pianist Andrei Korobeinikov stellen dem Liedschaffen Schostakowitschs in der Konzertscheune Auszüge aus Bachs „Wohltemperiertem Klavier“ gegenüber (28. Juni, 19.30 Uhr).

Ein weiterer Fixpunkt für Schostakowitsch war Ludwig van Beethoven, eine Beethoven-Büste überragte alles in seinem Moskauer Arbeitszimmer. Im Abschlusskonzert (29. Juni, 15 Uhr) gestaltet das Quatuor Danel ein Beethoven-Schostakowitsch-Programm, das unter besonderen Vorzeichen steht: „Wir verbinden das 15. Streichquartett Beethovens, sein Opus 132, mit dem 15. und letzten Quartett Schostakowitschs“, so Primarius Marc Danel. „Diese Kombination wurde gern vom alten Borodin-Quartett gespielt, dessen legendärer Cellist Valentin Berlinsky in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre.“ Somit würdigt dieses Konzert nicht nur Schostakowitsch, sondern zugleich das Borodin-Quartett und Berlinsky, die für die Mitglieder des Quatuor Danel wichtige Mentoren in ihrer Anfangszeit waren.

… und von Schostakowitsch geförderte Komponisten
In zwei Orchesterkonzerten stehen darüber hinaus von Schostakowitsch geförderte Komponisten im Fokus. Beim Gastspiel der Kremerata Baltica unter Leitung von Mirga Gražinytė-Tyla (27. Juni, 19.30 Uhr) wird die 14. Symphonie Schostakowitschs Werken von Mieczysław Weinberg gegenübergestellt. Die Musik des engen Schostakowitsch-Freundes wird erst seit einigen Jahren entdeckt – auch bei den Schostakowitsch Tagen, wo manche seiner Werke zur Erst- bzw. Uraufführung gelangten. Der Dirigentin Mirga Gražinytė-Tyla liegt Weinberg besonders am Herzen. Im vergangenen Sommer leitete sie bei den Salzburger Festspielen eine gefeierte Neuproduktion von dessen Oper „Der Idiot“ am Pult der Wiener Philharmoniker.

In der Aufführungsmatinee der Sächsischen Staatskapelle Dresden (29. Juni, 11 Uhr) steht – neben der Kammersymphonie – das Werk eines Lieblingsschülers von Schostakowitsch auf dem Programm: Dmitri Jurowski dirigiert die Oper „Rothschilds Geige“ von Benjamin Fleischmann, der 1941 mit 28 Jahren an der Front der Leningrader Blockade fiel und das Werk unvollendet hinterließ. Schostakowitsch vervollständigte und orchestrierte den Einakter nach der Novelle von Anton Tschechow. Für die konzertante Aufführung in Gohrisch erstellte Dmitri Jurowski eine Fassung für Kammerorchester sowie eine neue deutsche Übersetzung, die in exquisiter Besetzung (Marek Kalbus, Thorsten Büttner, Jürgen Müller, Irina Papenbrock) erstmals zu hören sein wird.

Gohrisch-Debütant und 477-jährige Preisträgerin
Neben der Aufführungsmatinee gestalten Mitglieder der Sächsischen Staatskapelle Dresden zwei Programme, die ausschließlich Schostakowitsch gewidmet sind: das Eröffnungskonzert (mit Matthias Wollong, Holger Grohs, Sebastian Herberg und Sebastian Fritsch), bei dem neben dem 8. Streichquartett auch das Klavierquintett auf dem Programm steht, sowie eine Musikalische Lesung mit dem Schauspieler Ulrich Noethen („Comedian Harmonists“, „Charité“, „Wendland“), der sein Debüt in der Konzertscheune gibt (28. Juni, 15 Uhr). Er liest aus dem fiktiven Schostakowitsch-Roman „Der Lärm der Zeit“ von Julian Barnes, dazu erklingt etwa das 2. Klaviertrio mit Yuki Manuela Janke, Friedrich Thiele und der Pianistin Onutė Gražinytė, die bereits im Eröffnungskonzert den Klavierpart in Schostakowitschs Quintett op. 57 übernimmt.

Seit Beginn der Schostakowitsch Tage 2010 sind die Musikerinnen und Musiker der Sächsischen Staatskapelle der wichtigste künstlerische Partner. Das 1548 gegründete und damit inzwischen 477 Jahre alte Traditionsorchester war maßgeblich an der Entstehung des Festivals beteiligt und hat es seither kontinuierlich und mit großem Engagement mitgestaltet. Aus Anerkennung und Dankbarkeit hierfür wird die Staatskapelle im Rahmen der Aufführungsmatinee mit dem 16. Internationalen Schostakowitsch Preis Gohrisch ausgezeichnet.

Am Vorabend der Schostakowitsch Tage (25. Juni, 20 Uhr) musiziert das Orchester wieder ein Sonderkonzert im Dresdner Kulturpalast. Dabei gelangen u. a. beide Klavierkonzerte Schostakowitschs mit dem Pianisten Kirill Gerstein und dem Trompeter Helmut Fuchs unter Leitung von Marie Jacquot zur Aufführung.

Posthume Schostakowitsch-Uraufführung
In den vergangenen Jahren haben die Schostakowitsch Tage immer wieder durch späte Uraufführungen von Schostakowitsch aufhorchen lassen. Auch 2025 wird ein bislang nicht bekanntes seiner Werke in der Konzertscheune erstmals öffentlich erklingen: die Romanze „Der Nagel von Jelabuga“ für Bass und Klavier, deren Fragment die führende Schostakowitsch-Forscherin Olga Digonskaja 2019 entdeckte und das im Auftrag der Schostakowitsch Tage von Alexander Raskatov vervollständigt wurde. Dem Werk liegt ein Gedicht von Jewgeni Jewtuschenko zugrunde, das den Tod der Dichterin Marina Zwetajewa thematisiert, die sich 1941 in Jelabuga erhängte. Im Rahmen ihres schon erwähnten Liederabends gestalten Alexander Roslavets und Andrei Korobeinikov die posthume Uraufführung dieses bedeutenden Spätwerks (28. Juni, 19.30 Uhr).

In memoriam Sofia Gubaidulina
Vor wenigen Wochen verstarb die große Komponistin Sofia Gubaidulina im Alter von 93 Jahren († 13. März 2025). Sie fühlte sich den Schostakowitsch Tagen herzlich verbunden, besuchte das Festival seit 2014 regelmäßig und vertraute ihm mehrere Ur- und Erstaufführungen an. Als sie 2017 in Gohrisch mit dem Schostakowitsch-Preis ausgezeichnet wurde, bekannte sie, dass sie die Musik Schostakowitschs im Herzen trage und ihm dankbar sei, dass er sie als junge Komponistin ermunterte, „ihren eigenen, falschen Weg“ konsequent weiterzugehen.

Im Gedenken an Sofia Gubaidulina wurde das Programm kurzfristig um ein Gesprächskonzert mit Film erweitert (27. Juni, 11 Uhr). Dabei werden der große Cellist David Geringas und der Bajan-Spieler Geir Draugsvoll – beide haben eng mit der Komponistin zusammengearbeitet – Werke von ihr aufführen und im Gespräch mit Jan Brachmann (Frankfurter Allgemeine Zeitung) über Begegnungen mit Sofia Gubaidulina berichten. Im Anschluss wird der Dokumentarfilm „Sophia – Ein Violinkonzert für Anne-Sophie Mutter“ gezeigt, in dem der Filmemacher Jan Schmidt-Garre die Entstehung des 2. Violinkonzertes „In tempus praesens“ beleuchtet.

Jubiläumsausstellung
Das Konzertprogramm wird durch eine neue Ausstellung über Leben, Werk und Wirkung Schostakowitschs ergänzt, die der Musikwissenschaftler Dr. Alexander Gurdon für das Schostakowitsch-Jahr 2025 konzipiert hat. Sie kann während der Festivaltage in der Konzertscheune besichtigt werden, wo auch ein Katalog zur Ausstellung erhältlich sein wird.

Der Vorverkauf beginnt am 15. April 2025.


Update zur Brücke in Bad Schandau: ab 10. April geöffnet

Die sächsische Verkehrsministerin Regina Kraushaar gab am 8. April 2025 bekannt, dass die Elbbrücke in Bad Schandau am Nachmittag des 10. April für Fußgänger und Fahrzeuge bis zu einem Gesamtgewicht von 7,5 Tonnen freigegeben werden kann. Für Busse des ÖPNV wird eine Querung der Brücke mit Ampelschaltung eingerichtet. Damit können alle Gäste, die in Bad Schandau ihr Quartier gebucht haben, wieder auf direktem Wege zur Gohrischer Konzertscheune und zurück fahren. 


Schostakowitsch Tage trauern um Sofia Gubaidulina (1931-2025)

Sofia Gubaidulina in der Gohrischer Konzertscheune im Jahr 2017 (c) Matthias Creutziger

Heute Morgen ist die Komponistin Sofia Gubaidulina im Alter von 93 Jahren nach einem erfüllten schöpferischen Leben ihrer langen Krankheit in ihrer Wahlheimat Appen bei Hamburg erlegen. Die Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch trauern um eine große Künstlerin, die dem Festival über viele Jahre hinweg eng verbunden war. 

2012 stand mit „Rejoice“, gespielt von Gidon Kremer und Giedre Dirvanauskaite, erstmals eines ihrer Werke auf dem Programm der Schostakowitsch-Tage. 2014 und 2017 waren ihr in Gohrisch Programmschwerpunkte gewidmet, die sie persönlich und engagiert vor Ort begleitete. In diesen Jahren hat sie dem Festival bedeutende Ur- und Erstaufführungen anvertraut („So sei es“, UA 2014; „Einfaches Gebet“, UA 2017; „Die Pilger“, DEA 2017). Als ihr 2017 der Internationale Schostakowitsch Preis Gohrisch verliehen wurde, bekannte sie in ihrer Dankesrede, dass sie die Musik Schostakowitschs von Kindheit an im Herzen trage und ihm dankbar sei, dass er sie als junge Komponistin ermunterte, „ihren eigenen, falschen Weg“ konsequent weiterzugehen. Diesem Rat ist sie bis ins hohe Alter gefolgt. 

In Erinnerung bleiben mir viele Begegnungen mit einer außergewöhnlichen Komponistin – in Gohrisch, aber auch in Dresden, wo sie 2014/15 und 2016/17 „Capell-Compositrice“ der Sächsischen Staatskapelle war, und in Leipzig, wo sie von 2020 bis 2023 für drei Spielzeiten als „Gewandhauskomponistin“ wirkte.

Sofia Gubaidulina galt als Grand Dame der Neuen Musik, als bedeutendste russische Komponistin der Gegenwart, und wurde weltweit verehrt. Ihre Inspiration schöpfte sie aus einem tiefen christlichen Glauben. Wir verlieren mit ihr eine einzigartige Persönlichkeit, einen unglaublich warmherzigen, tiefsinnigen und bescheidenen Menschen. Möge sie in Frieden ruhen.

Tobias Niederschlag
Künstlerischer Leiter der Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch


Zum Tod von Bernd Feuchtner

Mit großer Trauer und Bestürzung haben wir vom Tod Dr. Bernd Feuchtners erfahren, der am vergangenen Wochenende im Alter von 75 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit plötzlich verstorben ist.

Bernd Feuchtner war den Internationalen Schostakowitsch Tagen Gohrisch von Anfang an eng verbunden – mehr noch: Mit seinem Artikel über Schostakowitschs Aufenthalte in Gohrisch, der 2005 in der Zeitschrift „Partituren“ erschien und in dem erstmals ausführlich über die Aufenthalte berichtet wurde, gab er einen wesentlichen Impuls für die Gründung des Vereins „Schostakowitsch in Gohrisch“ 2009 und die Ausrichtung der Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch ab 2010.

Seitdem war Bernd Feuchtner alljährlich beim Festival zu Gast, er hielt Einführungsvorträge, nahm an Gesprächsforen teil, schrieb Einführungstexte und sorgte als Präsident der Deutschen Schostakowitsch Gesellschaft für eine noch engere Vernetzung zwischen den beiden Schostakowitsch-Institutionen. Seit 2024 gehörte er auch dem Kuratorium der Schostakowitsch-Tage als Mitglied an.

Für Mai 2025 hatte er noch das nächste Symposium der Schostakowitsch-Gesellschaft im Rahmen des Leipziger Schostakowitsch-Festivals geplant, außerdem sollte er an Einführungsveranstaltungen für das Festival im Gewandhaus mitwirken. Noch vor wenigen Tagen hatten wir hierzu telefoniert. Sein plötzlicher Tod berührt mich deshalb umso mehr.

Mit Bernd Feuchtner verlieren die Internationalen Schostakowitsch Tage einen wesentlichen Impulsgeber, einen unglaublich klugen, wissenden und immer kreativen Berater, und einen guten Freund. Wir werden ihn außerordentlich vermissen! Unser tiefes Mitgefühl gehört seinen Angehörigen und seinem engsten Freundeskreis.

Tobias Niederschlag
Künstlerischer Leiter
Internationale Schostakowitsch Tage Gohrisch


Zur Brückensperrung in Bad Schandau

Im Zuge der Vollsperrung der Elbbrücke in Bad Schandau wurde die Taktung der Elbfähren vom Elbkai in Richtung Bahnhof Bad Schandau und zurück deutlich erhöht.

Die Fähren verkehren jetzt im Viertelstundentakt. Die Nutzung der Fähren ist kostenlos. Der Busshuttle für die Gäste der Elbresidenz würde unter diesen Voraussetzungen dann vom Bahnhof Bad Schandau in Richtung Konzertscheune und zurück verkehren. Laut Sächsischem Infrastrukturministerium soll die Elbbrücke Anfang April intensiven Belastungstests unterzogen werden. Fallen diese positiv aus, sei eine teilweise Öffnung der Brücke im Mai eventuell wieder möglich.

Über die aktuellen Entwicklungen hierzu halten wir Sie, liebes Publikum, auf unserer Website auf dem Laufenden.


Festivalpässe für 2025 zum Vorzugspreis

Liebe Besucherinnen und Besucher,
liebe Freundinnen und Freunde der Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch,


wieder liegt ein unruhiges Jahr hinter uns: Die Kriegsereignisse in aller Welt und das damit verbundene Leid haben uns sehr bewegt, viele politische Entwicklungen gaben Anlass zu großer Sorge. Trotz alledem haben wir aber auch 2024 ein erfolgreiches Festival auf die Beine stellen können, auf das wir mit Stolz zurückblicken. Noch nie haben wir so viele Eintrittskarten verkauft wie in diesem Jahr und der anhaltende Zuspruch, nicht zuletzt von Ihnen allen, stimmt uns zuversichtlich für die Zukunft.

Im kommenden Jahr blicken wir auf den 16. Jahrgang unserer Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch. Diese finden vom 26. bis 29. Juni 2025 statt und stehen im Zeichen des 50. Todestages von Dmitri Schostakowitsch, den wir mit vielen großartigen Künstlerinnen und Künstlern würdigen möchten. So freuen wir uns auf ein Wiedersehen mit den Pianistinnen Yulianna Avdeeva und Onutė Gražinytė, die uns bereits in den letzten Jahren begeistert haben. Auch das Quatuor Danel hält uns die Treue und wird 2025 das Abschlusskonzert unseres Festivals gestalten. Weitere Höhepunkte erwarten wir mit einem Gastspiel der Kremerata Baltica unter Leitung der Dirigentin Mirga Gražinyte-Tyla und natürlich mit einer weiteren Aufführungsmatinee unseres Patenorchesters, der Sächsischen Staatskapelle Dresden, die unter der Leitung von Dmitri Jurowski u. a. die Kammersymphonie nach dem achten Streichquartett aufführen wird.

Internationaler Schostakowitsch Preis geht an Sächsische Staatskapelle Dresden
Die Musikerinnen und Musiker der Staatskapelle stehen seit nunmehr 16 Jahren unverändert an unserer Seite und bereichern das Programm alljährlich mit Glanzpunkten in kleiner und großer Besetzung. Dafür werden wir dieses wunderbare Orchester im kommenden Jahr mit dem Internationalen Schostakowitsch Preis auszeichnen – in Anerkennung und mit großem Dank für dieses außergewöhnliche und kontinuierliche Engagement!
Dies sind nur einige der Highlights, die uns im kommenden Jahr erwarten. Neben Schostakowitsch werden wichtige seiner Vorbilder im Fokus stehen, etwa Johann Sebastian Bach, Ludwig van Beethoven und, für viele überraschend, Frédéric Chopin, den Schostakowitsch seit frühester Jugend verehrte. Mindestens eine Schostakowitsch-Uraufführung wird es im kommenden Jahr wieder in Gohrisch geben – im Detail werden wir all diese Vorhaben im Februar 2025 in einer Pressekonferenz vorstellen.

Festivalpass zum Vorzugspreis
Sie haben aber, wie in jedem Jahr, schon jetzt die Möglichkeit, Ihren Festivalpass vorab zu erwerben. Zum Vorzugspreis von 230 € können Sie sich damit Ihre Tickets für sämtliche Veranstaltungen in Gohrisch 2025 sichern. Den Festivalpass können Sie hier online bestellen. Alternativ können Sie uns eine formlose E-Mail an tickets©schostakowitsch-tage.
de schreiben. Bitte geben Sie darin die Anzahl der Pässe sowie Ihre Anschrift (zugleich Rechnungsadresse) an. Daraufhin erhalten Sie eine Bestätigung und Zahlungsaufforderung.
Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie auch diesmal wieder regen Gebrauch von diesem besonderen Vorab-Angebot machen würden. Sicher ist es ein schönes Weihnachtsgeschenk, und es gilt noch bis zum 31. Januar 2025. Danach beginnt der offizielle Vorverkauf, wo die Pässe zum Normalpreis erhältlich sein werden.
Nicht unerwähnt lassen möchte ich, dass wir angesichts der Lage öffentlicher Haushalte derzeit mit leichten Sorgenfalten auf die Finanzierung der kommenden Jahrgänge blicken. Mehr als zuletzt sind uns daher Spenden und Zuwendungen anderer Art willkommen. Wenn Sie die Absicht haben, sprechen Sie uns gern an.

Rückblick 2024 endlich im Radio
Viele von Ihnen werden sich vielleicht schon gefragt haben, wann denn der Rückblick auf 2024 im Radio zu hören sein wird. Diese Frage können wir seit ein paar Tagen beantworten: Am Freitag, den 14. März 2025, senden MDR Klassik und MDR Kultur einen Querschnitt durch das letzte Festival, verbunden mit einem ausführlichen Ausblick auf das nächste. Außerdem sind im kommenden Jahr mehrere CD-Veröffentlichungen mit Aufnahmen unseres Festivals bei großen Labels wie Deutsche Grammophon und Pentatone geplant, deren Interesse wir als Bestätigung für die inzwischen internationale Ausstrahlung der Schostakowitsch-Tage werten können.
Insofern blicken wir zugleich optimistisch auf das bevorstehende Schostakowitsch-Jahr 2025, das weltweit begangen wird und in dem wir hoffentlich viele von Ihnen erneut oder auch zum ersten Mal bei unserem Festival begrüßen können.

Wir wünschen Ihnen und Ihren Familien ein gesegnetes und friedliches Weihnachtsfest. Bleiben Sie gesund und zuversichtlich und kommen Sie gut ins Neue Jahr – wir freuen uns auf Sie alle in Gohrisch 2025!

Mit herzlichen Grüßen
Ihr

Tobias Niederschlag
Künstlerischer Leiter | Vorsitzender des Vorstands des Schostakowitsch in Gohrisch e. V.


Besucherrekord bei der 15. Festivalausgabe

Mit einer Auslastung von annähernd 90 % und über 3.500 verkauften Tickets sind am Sonntag, den 30. Juni 2024 die Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch zu Ende gegangen. Im Abschlusskonzert des 15. Festivaljahrgangs erklangen mit Werken von Modest Mussorgsky, Alexander Raskatov und Dmitri Schostakowitsch Schöpfungen eben jener Komponisten, deren Kompositionen auch die Dramaturgie des langen Festivalwochenendes bestimmten.

Insgesamt sieben Konzerte und eine Filmvorführung standen von Donnerstag bis Sonntag auf dem Programm. Zu den Mitwirkenden zählten mit dem Quatuor Danel sowie Gidon Kremer und Mitgliedern seiner Kremerata Baltica Künstler, die dem Festival in den letzten Jahren mehrfach ihren Stempel aufgedrückt haben. Matthias Goerne mit seinem Pianisten Alexander Schmalcz, Marie-Elisabeth Hecker und Martin Helmchen hingegen waren erstmals in der Gohrischer Konzertscheune zu erleben. Gleiches gilt für die Pianistinnen Nathalia Milstein und Julia Zilberquit und die Sänger Elena Vassilieva, Ema Nikolovska und Alexandros Stavrakakis. Der Komponist Alexander Raskatov trat im Abschlusskonzert nicht nur als Komponist, sondern auch als Pianist in Erscheinung.

Seit Anbeginn der Internationalen Schostakowitsch Tage bildet die Sächsische Staatskapelle Dresden das künstlerische Rückgrat des Festivals. Und so waren auch im 15. Festivaljahrgang zahlreiche Mitglieder des Orchesters auf der Gohrischer Konzertbühne zu erleben: in Orchesterformation unter der Leitung von Dmitri Jurowski im Rahmen der Aufführungsmatinee, mit dem Fritz Busch Quartett, bestehend aus Tibor Gyenge und Federico Kasik (Violine), Michael Horwath (Viola) und Titus Maack (Violoncello) sowie Robert Lis (Violine), Anya Dambeck (Viola), Dawoon Kim (Violoncello) und Norbert Anger (Violoncello) auch in unterschiedlichen Kammerformationen.

Tobias Niederschlag, Künstlerischer Leiter der Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch: "Ich bin sehr glücklich über den Verlauf der vergangenen vier Tage. Wir haben wunderbare Konzerte erlebt – mit einem Publikumszuspruch, der all unsere bisherigen Erfahrungen übertraf. Mein Dank gilt daher den Schostakowitsch-Freunden aus dem In- und Ausland, die den Weg in die Sächsische Schweiz gefunden haben, ebenso aber auch allen Künstlerinnen und Künstlern, die unserem Ruf in die Konzertscheune gefolgt sind. Die Schostakowitsch-Tage haben einmal mehr unter Beweis gestellt, dass sie ein Ort für das Besondere sind. Und das darf unser Publikum auch für das nächste Festivaljahr erwarten, in dem die Musikwelt und somit auch wir an den 50. Todestag von Dmitri Schostakowitsch erinnern."

Die 16. Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch finden vom 26. bis 29. Juni 2025 statt.


Programmänderung beim Liederabend

Auf Grund einer Erkrankung und dem damit einhergehenden Mangel an Probenzeit haben Matthias Goerne und sein Pianist Alexander Schmalcz die Uraufführung von Dmitri Schostakowitschs „Der Nagel von Jelabuga“, einer nachgelassenen Romanze für Bass und Klavier in der Vervollständigung durch Alexander Raskatov, bei den diesjährigen Internationalen Schostakowitsch Tagen Gohrisch leider kurzfristig absagen müssen. Beide werden aber in Gohrisch auftreten können (28. Juni 2024, 19.30 Uhr). Vom ursprünglich geplanten Programm gelangen somit Lieder aus "Des Knaben Wunderhorn" von Gustav Mahler sowie die "Michelangelo-Suite" von Schostakowitsch zur Aufführung. Wir hoffen, dass die Uraufführung im nächsten Jahr bei den Schostakowitsch-Tagen nachgeholt werden kann.


Dirigentenwechsel beim Sonderkonzert der Staatskapelle zum Auftakt der Schostakowitsch Tage

Tugan Sokhiev hat krankheitsbedingt seine Mitwirkung am Sonderkonzert der Staatskapelle Dresden am Vorabend der diesjährigen Schostakowitsch Tage leider absagen müssen. Wie die Semperoper heute bekanntgab, übernimmt der russische Dirigent Vitali Alekseenok die Leitung des Konzerts am 26. Juni im Dresdner Kulturpalast. Das Programm mit der siebten Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch ("Leningrader") bleibt unverändert. Den vollständigen Wortlaut der Mitteilung von Seiten der Semperoper lesen Sie hier


Prall gefülltes Festivalprogramm mit vielen Neuheiten und Debüts

Die Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch feiern 2024 ihr 15-jähriges Bestehen. Mit sieben hochkarätig besetzten Konzerten und einer Filmvorführung wird der Jahrgang an vier Festivaltagen begangen. Zahlreiche Musikerinnen und Musiker sind zum ersten Mal in der Konzertscheune zu erleben, darunter Matthias Goerne, Martin Helmchen, Marie-Elisabeth Hecker, Nathalia Milstein und Ema Nikolovska. Der Schostakowitsch-Preis geht an Irina Antonowna Schostakowitsch, die persönlich in Gohrisch zugegen sein wird. Neben dem Œuvre Dmitri Schostakowitschs stehen Werke von Modest Mussorgsky und Alexander Raskatov im Mittelpunkt des Programms. Erstmals werden zu allen Konzerten vorab einführende Podcasts angeboten.

Schostakowitsch – Mussorgsky – Raskatov
Dem Schaffen Dmitri Schostakowitschs stehen in diesem Jahr Werke von zwei weiteren russischen Komponisten gegenüber: Modest Mussorgsky war stilistisch und ästhetisch ein wichtiges Vorbild für Schostakowitsch, etliche Werke Mussorgskys – darunter die Opern „Boris Godunow“ und „Chowanschtschina“ sowie den Zyklus „Lieder und Tänze des Todes“ – hat Schostakowitsch in eigenen Bearbeitungen bzw. Orchestrierungen vorgelegt. Alexander Raskatov trägt die Schostakowitsch-Tradition in die Gegenwart: Der 1953 in Moskau geborene Komponist lebt seit vielen Jahren in Frankreich und feierte unlängst mit seiner neuen Oper „Animal Farm“ nach George Orwell an der Dutch National Opera in Amsterdam und an der Wiener Staatsoper große Erfolge. Raskatov sieht dem Besuch in Gohrisch voller Freude entgegen: „Schon lange sind mir die Schostakowitsch-Tage in Gohrisch ein Begriff. Jetzt werde ich diesen geschichtsträchtigen Ort endlich einmal besuchen. Es bedeutet mir sehr viel, dass meine Musik in diesem einzigartigen Kontext erklingen wird.“

Eröffnungskonzert: Zwei Quartettformationen und die Sopranistin Elena Vassilieva
Mit inzwischen nahezu 40 zyklischen Aufführungen der Streichquartette gilt das Quatuor Danel als das führende Schostakowitsch-Quartett weltweit. Die vier Musiker aus Frankreich sind zum wiederholten Mal in Gohrisch zu Gast und wirken in diesem Jahr an zwei Programmen mit. Im Eröffnungskonzert am 27. Juni musizieren sie Schostakowitschs Streichquartette Nr. 6 und 14 – letzteres ist das einzige der 15 Quartette, das bislang noch nicht in Gohrisch erklungen ist. Der Zyklus wird damit im 15. Jahrgang vervollständigt. Eröffnet wird das Programm mit Schostakowitschs Stücken für Streichoktett op. 11, bei denen das Quatuor Danel um die Musiker des Fritz Busch Quartetts erweitert wird, einer Quartettformation aus den Reihen der Sächsischen Staatskapelle Dresden. Im Zentrum des Programms steht Alexander Raskatovs berührendes „Gebet (Kaddish)“ für Sopran und Streichquartett, das die Danels 1998 mit der Sopranistin Elena Vassilieva zur Uraufführung brachten und mit ihr nun auch in der Gohrischer Konzertscheune vorstellen.

Vier prominente Debüts und eine Uraufführung von Schostakowitsch
Der zweite Festivaltag startet am 28. Juni um 15 Uhr mit einem Rezital, bei dem sich die Cellistin Marie-Elisabeth Hecker und der Pianist Martin Helmchen erstmals dem Gohrischer Publikum präsentieren. Auf dem Programm stehen die Sonaten für Violoncello und Klavier von Dmitri Schostakowitsch und Sergej Prokofjew, außerdem die „Bilder einer Ausstellung“ in der Originalfassung für Klavier und damit das berühmteste Werk aus der Feder Modest Mussorgskys. Auch für den Bariton Matthias Goerne und seinen Klavierbegleiter Alexander Schmalcz ist der Auftritt in Gohrisch eine Premiere. Beide gestalten am 28. Juni erstmals einen Liederabend im Rahmen des Festivals. Auf dem Programm stehen Klavierlieder von Gustav Mahler, die späte Suite nach Gedichten von Michelangelo Buonarroti op. 145, die Schostakowitsch seiner Frau Irina Antonowna widmete, und eine nachgelassene Romanze Schostakowitschs für Bass und Klavier auf ein Gedicht von Jewgeni Jewtuschenko. Diese entstand um 1971, ist nur als Fragment überliefert und wird derzeit von Alexander Raskatov vervollständigt. Matthias Goerne und Alexander Schmalcz bringen dieses Spätwerk in Gohrisch posthum zur Uraufführung.

Kammerabend mit Gidon Kremer und Aufführungsmatinee der Sächsischen Staatskapelle
Gidon Kremer ist den Schostakowitsch-Tagen seit vielen Jahren verbunden. Bei seinem vierten Auftritt im Rahmen des Festivals wird er am 29. Juni begleitet von Mitgliedern seines Kammerorchesters Kremerata Baltica. Mit ihnen weitet er den Blick auf Komponistinnen und Komponisten aus Osteuropa, darunter Erkki-Sven Tüür, Grażyna Bacewicz, Tālivaldis Ķeniņš und Alfred Schnittke. Außerdem stehen Werke des Ukrainers Valentin Silvestrov, der 2022 in Gohrisch den Schostakowitsch-Preis in Empfang nahm, sowie von Alexander Raskatov auf dem Programm. In einer Aufführungsmatinee am 30. Juni stellt die Sächsische Staatskapelle Dresden, seit 15 Jahren engster Partner der Schostakowitsch-Tage, unter Dmitri Jurowski gleich vier Erstaufführungen vor: Alexander Raskatovs „Bel canto“ für Viola, Streichorchester und Tempelgong (Anya Dambeck, Viola) ist eine europäische Erstaufführung; Schostakowitschs Concertino op. 94 in der Bearbeitung für Klavier und Kammerorchester von Julia Zilberquit wird mit dieser am Klavier erstmals in Deutschland aufgeführt; und bei Dmitri Jurowskis eigenen Bearbeitungen bzw. Einrichtungen von Modest Mussorgskys „Liedern und Tänzen des Todes“ (Alexandros Stavrakakis, Bass) sowie Schostakowitschs früher Theatermusik zu Majakowskis „Die Wanze“ op. 19 handelt es sich um Uraufführungen.

Abschlusskonzert: Weitere Debüts und der Komponist am Klavier
Auch das Abschlusskonzert am 30. Juni nachmittags wird maßgeblich von Musikern der Sächsischen Staatskapelle gestaltet. So musiziert Norbert Anger, Konzertmeister der Violoncelli des Orchesters, gemeinsam mit Alexander Raskatov am Klavier dessen Duo „Dolce far niente“ aus dem Jahr 1991. Die Pianistin Nathalia Milstein präsentiert eine Auswahl aus Mussorgskys selten gespieltem Klavierwerk und führt mit der Mezzosopranistin Ema Nikolovska Schostakowitschs „Satiren“ op. 109 auf – ein Liederzyklus, der unmittelbar vor Schostakowitschs erstem Besuch in Gohrisch 1960 entstand. Beide Künstlerinnen gehören zu den aufstrebenden Klassikstars, sind zum ersten Mal in Gohrisch und musizieren zum Abschluss des Festivals gemeinsam mit Norbert Anger und Robert Lis, dem 1. Konzertmeister der Staatskapelle, Schostakowitschs hintergründige „Romanzen-Suite“ nach Worten von Alexander Blok op. 127.

Schostakowitsch-Preis für Irina Antonowna Schostakowitsch
Der 15. Internationale Schostakowitsch Preis Gohrisch wird an Irina Antonowna Schostakowitsch verliehen, die das Festival seit Anbeginn unterstützt und sich unermüdlich für das Erbe ihres Mannes Dmitri Schostakowitsch einsetzt. Sie wird bereits zum vierten Mal nach Gohrisch reisen – 1972 begleitete sie ihren Mann in die Sächsische Schweiz, 2010 und 2018 war sie Ehrengast der Schostakowitsch-Tage. Die Preisverleihung am Nachmittag des 29. Juni wird umrahmt von zwei Werken, die Irina Antonowna gewidmet sind: dem Streichquartett Nr. 9 von Schostakowitsch (Quatuor Danel) und dem Liederzyklus „Black Sun“ von Alexander Raskatov (Elena Vassilieva, Nathalia Milstein), der bei dieser Gelegenheit zur Uraufführung gelangt. Außerdem erklingt mit Pjotr I. Tschaikowskys Streichsextett „Souvenir de Florence“ eines von Irina Antonownas Lieblingswerken, gespielt vom Quatuor Danel und Musikerinnen der Sächsischen Staatskapelle (Anya Dambeck, Dawoon Kim).

Filmvorführung und Schostakowitsch-Podcasts
Ergänzt wird die Würdigung Irina Antonowna Schostakowitschs durch die Vorführung des russischen Dokumentarfilms „TWO. The Story of Shostakovich’s Wife“ aus dem Jahr 2022. Der Film reflektiert die Geschichte Irina Antonownas an der Seite ihres Mannes und wird in Gohrisch in Anwesenheit der Regisseurin Elena Yakovich erstmals in Europa gezeigt. Zum ersten Mal bieten die Schostakowitsch-Tage auch einführende Podcasts zu allen Konzerten an, die vor und während des Festivals kostenfrei auf der Festival-Website verfügbar sein werden. Dieses Angebot ist eine Kooperation mit dem Studiengang Musikjournalismus der TU Dortmund, der zudem die Live-Konzerteinführungen im Saal der Gemeindeverwaltung Gohrisch gestaltet.

„Im 15. Jahr unseres Bestehens feiern wir den Komponisten Dmitri Schostakowitsch in Gohrisch mit einem prall gefüllten Programm. Ich freue mich auf namhafte Künstlerinnen und Künstler, die ihre Programme eigens auf unsere Festivalschwerpunkte ausgerichtet haben. Die Tatsache, dass viele der Mitwirkenden zum ersten Mal bei uns zu Gast sind, zeigt zudem, dass das Festival immer mehr an Attraktivität gewinnt. Der erneute Besuch von Irina Antonowna Schostakowitsch, die noch in diesem Jahr ihren 90. Geburtstag feiern wird, ist für uns eine besondere Ehre. Mit ihr gemeinsam wollen wir in diesem Jahr vor allem auf das humanistische Erbe ihres Mannes blicken, das unter den gegenwärtigen politischen Umständen aktueller erscheint denn je.“ Tobias Niederschlag, Künstlerischer Leiter der Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch

Sonderkonzert der Sächsischen Staatskapelle Dresden
Die Schostakowitsch-Tage werden wieder mit einem Sonderkonzert der Sächsischen Staatskapelle im Dresdner Kulturpalast eingeläutet. Am 26. Juni leitet Tugan Sokhiev dort Dmitri Schostakowitschs Symphonie Nr. 7 C-Dur op. 60 („Leningrader“) – und damit jenes Werk, mit dem der russische Dirigent 2022, als er nach Ausbruch des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine seine Chefpositionen in Moskau (Bolschoi-Theater) und Toulouse (Orchestre National du Capitole de Toulouse) gleichzeitig niederlegte, mit der Staatskapelle bei den Osterfestspielen Salzburg debütierte.

Kartenvorverkauf
Der Einzelkartenverkauf für die 15. Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch startet am 5. März 2024 um 12 Uhr. Tickets können auch hier unter Programm gebucht werden. Karten für das Sonderkonzert der Sächsischen Staatskapelle Dresden am 26. Juni 2024 sind unter staatskapelle-dresden.de erhältlich.


150 Sendeminuten auf MDR Kultur

MDR KULTUR sendet am 17. November 2023 um 20.05 Uhr einen zweieinhalbstündigen Rückblick auf die diesjährigen Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch. Zu hören sind dabei Aufnahmen aus den Konzerten mit Yulianna Avdeeva, Isang Enders, Boris Giltburg, Vadim Gluzman, dem ukrainischen Mriya Quartett und der Staatskapelle Dresden mit Mitgliedern des Gustav Mahler Jugendorchesters unter der Leitung von Oscar Jockel. Tobias Niederschlag, Künstlerischer Leiter der Schostakowitsch Tage, verrät im Rahmen der Sendung auch erste Programmdetails zum nächsten Festivaljahrgang. Hier geht's zur Sendung


Zum Tod von Yuri Temirkanov

Die Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch trauern um Yuri Temirkanov, der am 2. November 2023 im Alter von 84 Jahren verstorben ist.

2018 haben wir ihn nach dem Sonderkonzert der Sächsischen Staatskapelle Dresden am Vorabend der Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch mit dem Schostakowitsch-Preis ausgezeichnet. Es war eines der wenigen Konzerte, das Temirkanov zu dieser Zeit noch als Gastdirigent leitete. Im Februar 2022 zog er sich nach über 30 Jahren von seiner Position als Chefdirigent der St. Petersburger Philharmoniker sowie Leiter der dortigen Akademischen Philharmonie „Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch“ zurück und beendete damit auch seine Konzertkarriere.

Der Künstlerische Leiter der Schostakowitsch Tage, Tobias Niederschlag, würdigte den Dirigenten 2018 in seiner Laudatio als einen legendären Künstler, dem es gelang, die einzigartige Tradition der St. Petersburger Philharmoniker in der bewegten Umbruchszeit der 1990er-Jahre hochzuhalten und das Orchester weiter in der Weltspitze zu etablieren. „Eine zentrale Rolle spielte dabei die Musik von Dmitri Schostakowitsch“, so Niederschlag, „die Yuri Temirkanov – wie Yevgeny Mravinsky vor ihm – aus Schostakowitschs Geburtsstadt St. Petersburg in die ganze Welt getragen hat.“

Temirkanov hatte Schostakowitsch einmal als „letzten Heiligen Russlands“ bezeichnet. Für ihn war der Komponist „der letzte Repräsentant der wahrhaftigen russischen ‚Intelligenzija‘“. Mit Temirkanov selbst ist nun ein weiterer Repräsentant dieser Intelligenzija gegangen, an den wir uns immer mit Dankbarkeit erinnern werden.


Im Zeichen des Friedens

14. Internationale Schostakowitsch Tage Gohrisch enden mit Konzert des ukrainischen Mriya Quartetts. Publikumsauslastung um mehr als 10 % gesteigert

Applaus für das Quatuor Danel (Foto: Oliver Killig)

Mit einem Konzert des ukrainischen Mriya Quartetts unter Mitwirkung der ebenfalls aus der Ukraine stammenden Pianistin Kateryna Titova sind am Sonntag, den 25. Juni 2023, die 14. Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch zu Ende gegangen. Auf dem Programm des bewegenden Abschlusskonzerts standen neben dem Klavierquintett von Robert Schumann drei Werke ukrainischer Komponisten: Streichquartette von Vasyl Barvinsky und Vitaliy Hubarenko sowie die Melodie für Streichquartett von Myroslav Skoryk. Mit der Einladung des Mriya Quartetts wollten die Schostakowitsch-Tage auch ein Zeichen für die Bewahrung der bedrohten ukrainischen Kultur setzen. 

Tobias Niederschlag, Künstlerischer Leiter der Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch: „Die vergangenen vier Tage erfüllen mich mit großer Dankbarkeit. Da sind zum einen unvergessliche Konzerte, die uns die beteiligten Künstlerinnen und Künstler im wahrsten Sinne des Wortes geschenkt haben. Und zum anderen unser einzigartiges Publikum in der Gohrischer Konzertscheune, das sich jedes Jahr von Neuem mit beeindruckender Neugierde und Begeisterungsfähigkeit auf anspruchsvolle, teils sogar sperrige Programme einlässt, die in dieser Form nur in Gohrisch zu erleben sind. Dies ist ein Alleinstellungsmerkmal für unser Festival. Mit großer Vorfreude schauen wir schon jetzt nach vorn und freuen uns auf die 15. Internationalen Schostakowitsch Tage im kommenden Jahr, die wieder – dies sei schon einmal verraten – Unbekanntes aus der Feder von Schostakowitsch bereithalten werden.“

Sechs Konzerte und eine Filmvorführung standen während der vergangenen vier Tage auf dem Festivalprogramm. Mit gut 3.000 verkauften Karten lag die Auslastung bei über 80 % und verzeichnete einen Zuwachs im Vergleich zum letzten Jahr von mehr als 10 %.

Zu den weiteren Protagonisten des Festivals zählten das Quatuor Danel, der Geiger Vadim Gluzman, der Cellist Isang Enders, die Pianisten Angela Yoffe und Boris Giltburg – beide erstmalig in Gohrisch zu Gast – sowie Yulianna Avdeeva, die an gleich drei Festivalkonzerten mitwirkte. Sie zählte zu Künstlern des Eröffnungskonzerts in der Gohrischer Konzertscheune, gestaltete einen Klavierabend und war zudem Solistin beim Orchesterkonzert mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden und Mitgliedern des Gustav Mahler Jugendorchesters unter der Leitung von Oscar Jockel am Vormittag des 25. Juni. Der Schostakowitsch-Preis des Festivals wurde in diesem Jahr an den Komponisten und Schostakowitsch-Biografen Krzysztof Meyer verliehen.

Die 15. Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch finden vom 27. bis 30. Juni 2024 statt.


Schostakowitsch – Schnittke – Meyer

Werke von Dmitri Schostakowitsch, Alfred Schnittke und Krzysztof Meyer bestimmen das Programm der 14. Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch, die vom 22. bis 25. Juni im Kurort Gohrisch in der Sächsischen Schweiz stattfinden werden. Kooperationspartner ist die Sächsische Staatskapelle Dresden, die das Festival am Vorabend mit einem Sonderkonzert im Dresdner Kulturpalast einläuten wird.

Dmitri Schostakowitsch, Alfred Schnittke, Krzysztof Meyer: Dieses Dreigestirn steht zum ersten Mal im Fokus der Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch. Neben dem Namensgeber, der 1960 in Gohrisch sein achtes Streichquartett komponierte, werden damit zwei Komponisten gewürdigt, die sich in ihrem Schaffen auf Schostakowitsch beziehen. Schnittke hat mit seiner polystilistischen Schreibweise die Widersprüchlichkeit der spätsowjetischen Ära wie kein Zweiter in Töne gesetzt. Er starb vor 25 Jahren in Hamburg. Meyer ist den Schostakowitsch-Tagen von Anfang an eng verbunden. Der einstige Freund Schostakowitschs und sein späterer Biograf feiert in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag – für die Schostakowitsch-Tage ein willkommener Anlass, ihn mit dem diesjährigen Internationalen Schostakowitsch Preis Gohrisch auszuzeichnen.

Yulianna Avdeeva, das Quatuor Danel und die Sächsische Staatskapelle mit Oscar Jockel
Im Eröffnungskonzert des Festivals am 22. Juni musiziert das Quatuor Danel, eines der weltweit führenden Schostakowitsch-Quartette, dessen Streichquartette Nr. 4 und Nr. 13. Das 13. Quartett wird damit erstmals bei den Schostakowitsch-Tagen zu hören sein. Das Programm wird durch das Klavierquintett von Alfred Schnittke vervollständigt, bei dem das Quatuor Danel erstmals mit der Pianistin Yulianna Avdeeva zusammenarbeiten wird. Die 1. Preisträgerin des Warschauer Chopin-Wettbewerbs 2010 ist zum vierten Mal in Folge bei den Schostakowitsch-Tagen zu Gast. Am 23. Juni gestaltet sie auch einen Klavierabend in der Gohrischer Konzertscheune, bei dem sie neben Werken von Meyer und Mieczysław Weinberg auch die Deutsche Erstaufführung des kurzen Klavierstücks „Murzilka“ von Schostakowitsch sowie die monumentale „Hammerklaviersonate“ von Beethoven aufführen wird. Noch ein drittes Mal ist Avdeeva in diesem Jahr in Gohrisch zu erleben: als Solistin im Aufführungsabend der Sächsischen Staatskapelle Dresden mit Mitgliedern des Gustav Mahler Jugendorchesters, der am 25. Juni als Matinee stattfinden wird. Neben Schnittkes Konzert für Klavier und Streichorchester stehen dabei auch Meyers „Metamorphosen“ für Kammerorchester und die Kammersymphonie op. 83a von Schostakowitsch auf dem Programm – letztere ist eine Orchesterbearbeitung des vierten Streichquartetts von Rudolf Barschai, die erstmals bei den Schostakowitsch-Tagen erklingen wird. Dirigent des Aufführungsabends ist der junge Oscar Jockel, der unlängst bei den Osterfestspielen Salzburg mit dem Herbert-von-Karajan-Preis ausgezeichnet wurde und am Beginn einer vielversprechenden Karriere steht.

Zwei Duo-Rezitals: Isang Enders/Boris Giltburg, Vadim Gluzman/Angela Yoffe
Am 24. Juni stehen gleich zwei Duo-Rezitals auf dem Programm: Am Nachmittag musizieren Isang Enders, als ehemaliger Konzertmeister Violoncello der Sächsischen Staatskapelle Dresden einst Mitinitiator der Schostakowitsch-Tage, und der Pianist Boris Giltburg die erste Cellosonate von Alfred Schnittke. Giltburg stellt in diesem Konzert auch seine eigene Klavierbearbeitung des dritten Streichquartetts von Schostakowitsch vor. Anlässlich der Verleihung des Schostakowitsch-Preises an Krzysztof Meyer erklingt dessen zweite Sonate für Violoncello solo aus dem Jahr 2007. Abends musizieren der Geiger Vadim Gluzman und die Pianistin Angela Yoffe u. a. die „Suite im alten Stil“ und das „Präludium in memoriam Dmitri Schostakowitsch“ von Schnittke sowie eine Bearbeitung von Schostakowitschs Suite für Jazzorchester Nr. 1, die Michael Gluzman, der Vater des Geigers, für Violine und Klavier eingerichtet hat. Zum Abschluss erklingt der große Zyklus der 24 Präludien für Violine und Klavier op. 46 von Lera Auerbach, die als „Capell-Compositrice“ der Sächsischen Staatskapelle 2011 auch selbst bei den Schostakowitsch-Tagen gastierte.

Hoffnung auf eine friedvollere Zukunft
Bereits im vergangenen Jahr haben die Schostakowitsch-Tage – in Anbetracht des schrecklichen Angriffskrieges Russlands auf die Ukraine – den ukrainischen Komponisten Valentin Silvestrov gewürdigt, der dem gesamten Festival als Ehrengast beiwohnte. Zum Abschluss der diesjährigen Schostakowitsch-Tage musiziert das ukrainische Mriya Quartett Werke weiterer Komponisten aus seiner bedrohten Heimat. Das ukrainische Wort „Mriya“ bedeutet „Traum“ und steht in diesem Kontext für ein Musizieren jenseits des Krieges und des damit verbundenen Elends. Als letztes Werk des Konzertes erklingt das Klavierquintett von Robert Schumann mit der Pianistin Kateryna Titova – dieses ebenso dramatische wie euphorisch endende Werk kann als ein hoffnungsvolles Signal für eine friedvollere Zukunft verstanden werden.

Filmvorführung und Ausstellung
Ergänzt wird das Festivalprogramm durch eine Vorführung des sowjetischen Dokumentarfilms „Dmitri Schostakowitsch – Altowaja sonata“ aus dem Jahr 1981. Die Regisseure Semjon Aranowitsch und Alexander Sokurow blicken darin anhand der Bratschensonate, des letzten Werkes von Schostakowitsch, auf dessen bewegte Biografie zurück. Im Foyer der Gohrischer Konzertscheune ist darüber hinaus an allen vier Festivaltagen die Ausstellung „DSCH – Digitale Collagen“ mit Grafiken und Schostakowitsch-Porträts des Dresdner Künstlers Anders Winter zu besichtigen.

„Jedes Jahr von neuem folgen Weltklassekünstler unserem Ruf in die Gohrischer Konzertscheune, lassen sich auf Programme ein, die sie exklusiv für unser Festival einstudieren – und verzichten dafür auf jegliche Gage. Das grenzt immer wieder an ein Wunder! Dieser Idealismus, diese Begeisterung für die Sache ist letztlich dem Künstler und Menschen Dmitri Schostakowitsch zu verdanken, dem sich alle Musikerinnen und Musiker, die zu uns kommen, eng verbunden fühlen. Das spüren wir als Festivalmacher, und das schafft in Gohrisch eine Atmosphäre, die man nur als einzigartig bezeichnen kann.“ Tobias Niederschlag, Künstlerischer Leiter der Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch

Sonderkonzert der Staatskapelle Dresden
Wie in den vergangenen Jahren läutet die Sächsische Staatskapelle Dresden die Internationalen Schostakowitsch Tage mit einem Sonderkonzert am Vorabend des Festivals ein (21. Juni). Im Dresdner Kulturpalast spielt das Orchester, das die Schostakowitsch-Tage von Anfang an unterstützt und mitgestaltet hat, unter der Leitung von Andrés Orozco-Estrada die fünfte Symphonie von Schostakowitsch. Außerdem steht das Trompetenkonzert des engen Schostakowitsch-Freundes Mieczysław Weinberg auf dem Programm, Solist ist der Ausnahmetrompeter Håkan Hardenberger.

Kartenvorverkauf

Der Einzelkartenverkauf für die Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch beginnt am 19. April 2023. Tickets könntne auf www.schostakowitsch-tage.de gebucht werden. Karten für das Sonderkonzert der Staatskapelle Dresden am 21. Juni 2023 sind unter www.staatskapelle-dresden.de erhältlich.

 

 

 


Kartenvorverkauf für die Schostakowitsch Tage 2023

Das Programm der 14. Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch wird am 19. April 2023 veröffentlicht. Karten können dann am gleichen Tag ab 12 Uhr hier auf der Website erworben werden. Wir wünschen Ihnen frohe Ostern und freuen uns auf Ihren Besuch!  

 


Rückblick 2022 auf MDR Klassik

Der ursprünglich für den 21. Oktober angekündigte Rückblick auf die Schostakowitsch Tage 2022 wird nun am 25. November 2022 von 20.05 bis 22.30 Uhr auf MDR Klassik gesendet. MDR Kultur sendet eine Wiederholung am 20. Januar 2023 von 20.05 bis 22.30 Uhr.