Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch

Dmitri Schostakowitsch (1906-1975) war einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Seine Werke spiegeln in mitunter bedrückender Weise die schwierigen Lebensumstände in der ehemaligen Sowjetunion wider.

Geboren am 25. September 1906 in St. Petersburg, kam Schostakowitsch schon als Kind mit russischer und deutscher Musik in Berührung. Mit dreizehn Jahren begann er sein Studium (Klavier und Komposition) am Petrograder Konservatorium, das er 1925 spektakulär abschloss: Seine Diplomarbeit, die erste Symphonie, geriet sofort zu einem internationalen Erfolg. Nach dem Studium schlug sich Schostakowitsch – aus Zweifeln an seiner Berufung – zunächst als Pianist in Kinotheatern durch. 1928 vollendete er seine erste Oper, „Die Nase“, deren Grotesken die vielfältigen Strömungen im nachrevolutionären Russland widerspiegeln.

Mit seiner zweiten Oper „Lady Macbeth von Mzensk“ gelang Schostakowitsch 1934 ein weiterer Erfolg. Das Werk wurde innerhalb von zwei Jahren über einhundert Mal aufgeführt – bis es 1936 das Missfallen Stalins erregte: Nach einem Vorstellungsbesuch des Diktators wurde die Oper in einem „Prawda“-Artikel mit dem Titel „Chaos statt Musik“ auf das Schärfste verurteilt. Schostakowitsch, der sich dem Vorwurf des „Formalismus“ und der „Volksfremdheit“ ausgesetzt sah, lebte fortan in ständiger Angst, der „Säuberung“ Stalins zum Opfer zu fallen. Zwar gelang ihm 1937 mit der fünften Symphonie eine offizielle Rehabilitierung, auch erhielt er ab 1941 den ersten von mehreren „Stalin-Preisen“ – die Todesangst begleitete Schostakowitsch aber sein ganzes weiteres Leben.

Während des Zweiten Weltkriegs komponierte Schostakowitsch seine „Leningrader Symphonie“ (Nr. 7), die weltweit zu einem Symbol für den Widerstand gegen den Faschismus wurde und mit der er zu einem der populärsten Komponisten der Gegenwart aufstieg.

1948 allerdings traf ihn ein zweites Mal der Bannstrahl der sowjetischen Kulturideologie: Die Vorwürfe von 1936 wurden wiederholt und schlossen nun auch Komponisten wie Sergej Prokofjew und Aram Chatschaturjan ein. Schostakowitsch wählte den Weg der inneren Emigration: Auf Auslandsreisen, zu denen er als Repräsentant sowjetischer Musik von offizieller Seite gezwungen wurde, erweckte er den Eindruck der Regimetreue; seine wahren Gefühle aber vertraute er in kryptischer Weise seinen Kompositionen an, von denen viele erst nach Stalins Tod aufgeführt werden konnten. Erst die Veröffentlichung von Schostakowitschs Memoiren durch Solomon Wolkow („Zeugenaussage“, 1979) legte – wenngleich diese in ihrer Authentizität bis heute umstritten sind – viele seiner Intentionen offen.

Mit dem Tod Stalins 1953 setzte auch für Schostakowitsch ein „Tauwetter“ ein. Es kam zu Wiederaufführungen seiner Opern, er stieg zu hohen Ämtern auf. So wurde Schostakowitsch zum Vorsitzenden des sowjetischen Komponistenverbandes ernannt – wozu er allerdings der KPdSU beitreten musste, was er sich nie verzieh. Seine letzten Jahre waren von schwerer Krankheit gezeichnet. Schostakowitsch starb am 9. August 1975 in Moskau.

Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch hinterließ ein umfangreiches und vielfältiges Oeuvre mit 15 Symphonien, Instrumentalkonzerten, Bühnenwerken, Filmmusiken, Vokalwerken, Klavier- und Kammermusik. Seine 15 Streichquartette, ein gewichtiges Gegenstück zu den Symphonien, gehören zu den kammermusikalischen Hauptwerken des 20. Jahrhunderts.

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Dmitri Schostakowitsch, Foto aus dem Jahr 1960, als sich der Komponist in Dresden aufhielt.