03.01.2021

Neujahrsgrüße

Liebe Freundinnen und Freunde der Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch,

was für ein Jahr liegt hinter uns! Ein Jahr großer Einschränkungen und Entbehrungen, ein permanentes Schwanken zwischen Hoffnung und Perspektivlosigkeit, auch ein Jahr großer wirtschaftlicher Unsicherheit, das letztlich viel Kraft gekostet hat. Umso mehr hoffe ich, dass Sie alle gesund und wohlauf sind und dies in den nächsten Wochen und Monaten auch bleiben mögen.

Voller Elan wollten wir in diesem Jahr an den Erfolg des Jubiläumsfestivals 2019 anknüpfen und hatten uns viel vorgenommen: etliche Ur- und Erstaufführungen von Dmitri Schostakowitsch, renommierte Künstler*innen aus nah und fern, ein Tanzprojekt, das die Entstehung einer Choreographie zum achten Streichquartett erlebbar machen sollte, dazu als roter Faden eine umfangreiche Würdigung des Jubilars Ludwig van Beethoven.

Im Frühsommer wurden die Konzert- und Opernhäuser vorübergehend wieder geöffnet, doch dies geschah unter strengen Schutzmaßnahmen und bei deutlich reduziertem Publikum. Für unser Festival war dies leider keine Option: Die Umbaumaßnahmen der Scheune, erweitert um zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen, und all das bei einem Bruchteil der sonst zugelassenen Besucher – dies hätte zu einem riesigen finanziellen Defizit geführt, für das keine Aussicht auf Erstattung bestand.

So mussten wir das Festival schweren Herzens absagen. In dieser Situation haben viele von Ihnen ganz oder teilweise auf eine Erstattung der Kartenpreise verzichtet und uns dadurch wie auch durch weitere Spenden ihre Solidarität zum Ausdruck gebracht. Dafür danken wir Ihnen herzlich!

Völlig sang- und klanglos wollten wir das Festival allerdings nicht ausfallen lassen. In einem kurzfristig organisierten, transkontinentalen Stream-Projekt haben wir Anfang Juli mit drei namhaften Pianisten aus Russland insgesamt neun Uraufführungen von Schostakowitsch zumindest virtuell präsentieren können: Yulianna Avdeeva spielte in Gohrisch, Dmitry Masleev in Moskau und Daniil Trifonov im amerikanischen Connecticut. Damit haben wir, unter völlig neuen Vorzeichen, unseren internationalen Anspruch unterstrichen, und die Fülle an Schostakowitsch-Uraufführungen hat in den Medien weltweit für beachtliches Aufsehen gesorgt. Neben den wunderbaren Künstlern trugen dazu auch unsere Partner MDR/ARTE Con-cert, die Deutsche Grammophon und Primavera Consulting bei, wofür auch Ihnen herzlich gedankt sei.
Doch eines haben die letzten Monate ebenfalls deutlich gezeigt: Der spektakulärste Stream oder die originellste Präsenz im Internet können das Live-Erlebnis eines klassischen Konzertes nicht ersetzen. Und schon gar nicht das unseres Festivals, das von seiner einzigartigen Atmosphäre lebt, die nicht zuletzt durch Sie, sehr geehrte, liebe Gäste und Interessenten, zum Tragen kommt.

So sind wir inzwischen schon wieder mitten in den Planungen für das nächste Festival, die 12. Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch – in der großen Hoffnung, dass das Festival vom 24. bis 27. Juni 2021 stattfinden kann. Wir werden vieles nachholen, das in diesem Jahr ausgefallen ist, auch neue Premieren von Dmitri Schostakowitsch präsentieren, seinen Werken außerdem Musik von Igor Strawinsky gegenüberstellen, dessen Todestag sich 2021 zum 50. Mal jährt. Auch die Preisverleihung an Dr. Olga Digonskaya, die uns in den letzten Jahren viele ihrer Schostakowitsch-Trouvaillen anvertraut hat, haben wir auf das kommende Jahr verschoben. Am 23. Juni 2021 ist wieder ein Sonderkonzert der Sächsischen Staatskapelle im Dresdner Kulturpalast geplant, das unser Festival in gewohnter Weise einläuten soll.

Die Scheune wird für die Festivaltage "coronatauglich" umgebaut und angepasst. Wir setzen alles daran, das Festival im kommenden Jahr durchzuführen und wirtschaftlich weitestgehend abzusichern. Hierfür sind wir – mehr denn je – auf Ihre Hilfe angewiesen: Spenden sind auch für das kommende Jahr hochwillkommen, unsere Bankverbindung finden Sie hier. Und Sie können sich auch in diesem Jahr wieder vorab Ihre Pässe sichern. Da wir hinsichtlich der Bestuhlung der Scheune noch flexibel bleiben müssen, um auf aktuelle Entwicklungen reagieren zu können, nehmen wir Ihre Bestellung (formlos per E-Mail an tickets@schostakowitsch-tage.de) zunächst ohne Platzbindung und auch ohne Bezahlung auf. Dabei möchten wir den Preis für einen Festivalpass in Höhe von 200 € stabil halten, ohne dies heute garantieren zu können. So-bald es sich abzeichnet, dass das Festival stattfindet, werden wir Sie umgehend kontaktieren und die offenen Fragen konkretisieren. Wir hoffen, dass Sie für dieses Prozedere Verständnis haben werden – und dass Sie wieder zahlreich von diesem Angebot, das bis zum 31. Januar 2021 gilt, Gebrauch machen werden.

Wie Sie sehen, sind wir also voller Hoffnung für das kommende Jahr! Wir haben Sie in diesem Jahr sehr vermisst und freuen uns auf ein Wiedersehen im Juni 2021. Der gesamte Vorstand des Vereins Schostakowitsch in Gohrisch wünscht Ihnen, trotz aller Einschränkungen, ein guten Start in ein glücklicheres neues Jahr. Bleiben Sie gesund und zuversichtlich!

Ihr Tobias Niederschlag
Künstlerischer Leiter der Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch

1960 Schostakowitsch Dresden
Dmitri Schostakowitsch im Jahr 1960 während seines Aufenthalts in Dresden