24.06.2019

Besucherrekord zum Jubiläum

Mit einem Rekord von über 4.500 Besuchern gingen am Sonntag, den 23. Juni 2019, die 10. Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch zu Ende. Zum Abschluss des Jubiläumsfestivals improvisierten am Sonntagabend die Dresdner Free-Jazz-Legende Günter Baby Sommer und der Saxophonist Johannes Enders in der Gohrischer Konzertscheune über das achte Streichquartett von Dmitri Schostakowitsch, das dieser 1960 im Kurort Gohrisch komponiert hatte.

Wenige Stunden zuvor überreichte Festivalleiter Tobias Niederschlag dem Leipziger Gewandhauskapellmeister und Music Director des Boston Symphony Orchestra, Andris Nelsons, den 10. Internationalen Schostakowitsch Preis Gohrisch. Zuvor hatte Dr. Jan Brachmann die Laudatio auf Andris Nelsons gehalten. Im Rahmen der Verleihung griff der Preisträger zur Überraschung des Publikums selbst zur Trompete und spielte gemeinsam mit der Pianistin Lauma Skride und dem Dresdner Streichquartett einige Präludien aus der Filmmusik „Podrugi“ von Dmitri Schostakowitsch.

Bereits zum dritten Mal in Folge konnten die Internationalen Schostakowitsch Tage auch Neues von Schostakowitsch präsentieren: Der rumänische Pianist Daniel Ciobanu brachte am Samstagabend das Klavierstück „Im Wald“ zur Uraufführung, das der erst dreizehnjährige Dmitri Schostakowitsch 1919 komponiert hatte. Am Samstagvormittag erklangen „Zwei nachgelassene Romanzen“ von Schostakowitsch (mit der Sopranistin Ilona Domnich und dem Pianisten Florian Uhlig), die als Deutsche Erstaufführung angekündigt waren. In einem Publikumsgespräch mit der Moskauer Schostakowitsch-Forscherin Dr. Olga Digonskaya stellte sich allerdings heraus, dass die Gohrischer Aufführung die erste öffentliche Aufführung dieser Romanzen, also die Uraufführung, darstellte. Im selben Konzert hoben der Geiger Linus Roth und der Pianist Florian Uhlig darüber hinaus zwei nachgelassene „Lieder ohne Worte“ des Schostakowitsch-Freundes Mieczysław Weinberg aus der Taufe.

Erstmals war der Festivalzeitraum von drei auf vier Tage erweitert worden. Daran möchte Tobias Niederschlag, Künstlerischer Leiter des Festivals, auch zukünftig festhalten. „Wir haben in diesem Jahr unseren 30.000. Festivalbesucher in Gohrisch begrüßen dürfen. Daran war vor zehn Jahren, als alles begann, nicht im Traum zu denken. Das diesjährige Festival hat wieder einmal gezeigt, dass wir ein außergewöhnliches Publikum haben, das sich auf komplexe Werke mit großer Offenheit und Begeisterung einlässt. In der Idee ‚Schostakowitsch in Gohrisch‘ steckt auch für die Zukunft noch viel Potenzial.“

Zu den weiteren Protagonisten der 10. Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch zählten das Quatuor Danel, das Borodin Quartet, die Cellisten Isang Enders und Emil Rovner, der Pianist Yekwon Sunwoo, das Raschèr Saxophone Quartet, die Schauspielerin Isabel Karajan sowie kapelle 21 unter der Leitung von Petr Popelka.

Die 11. Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch finden vom 2. bis 5. Juli 2020 im Kurort Gohrisch statt und werden am 1. Juli 2020 mit einem Sonderkonzert der Sächsischen Staatskapelle im Dresdner Kulturpalast eingeläutet. Auch dann wird es wieder eine Schostakowitsch-Uraufführung geben, wie Dr. Olga Digonskaya beim jetzigen Festival in Aussicht stellte.

1960 Schostakowitsch Dresden
Dmitri Schostakowitsch im Jahr 1960 während seines Aufenthalts in Dresden