Über das Festival 2019

10. Internationale Schostakowitsch Tage Gohrisch vom 20. bis 23. Juni 2019

Schostakowitsch – Prokofjew – Strawinsky: Im Fokus des Jubiläumsprogramms stehen drei russische Komponisten, die sich auf Augenhöhe begegnen und doch ein ambivalentes Verhältnis zueinander hatten. Dmitri Schostakowitsch und Sergej Prokofjew verband Bewunderung und Rivalität und schließlich das gemeinsa-me Schicksal der öffentlichen Denunzierung. Der ältere Igor Strawinsky, der seine Heimat früh verlassen hatte, galt den sowjetischen Machthabern ohnehin als Inbegriff "westlicher Dekadenz". Schostakowitsch und Prokofjew aber schätzten ihn sehr – auch wenn sie offiziell zu anderen Verlautbarungen gezwungen waren. 

Von allen dreien kommt Populäres und seltener Gespieltes zur Aufführung. Bei Strawinsky reicht das Spektrum von einer virtuosen Bearbeitung seines frühen "Feuervogel" bis zu neoklassizistischen Werken der 1930er-Jahre. Prokofjew ist mit beiden Streichquartetten vertreten, mit Sonaten und dem "Symphonischen Märchen für Kinder", dessen Fabel bis heute Spielraum für unterschiedlichste Deutungen zulässt. Und schließlich Schostakowitsch: Zum ersten Mal ist seine Suite für Varieté-Orchester in der Konzertscheune zu hören und damit auch der "Walzer Nr. 2". Abgründiger sind die aufgeführten Kammermusikwerke, etwa die Streichquartette, die mit dem Vierten, Neunten und vor allem dem Achten zum Ursprung des Gohrischer Festivals führen. 

Die Komponistentrias wird auch erweitert: So stehen die "Bilder einer Ausstellung" des von Schostakowitsch bewunderten Modest Mussorgski auf dem Programm, ebenso das originelle Saxophonquartett seines Lehrers Alexander Glasunow. Mit Mieczysław Weinberg und Galina Ustwolskaja werden darüber hinaus zwei Jubilare gewürdigt: Der enge Freund Schostakowitschs und seine rätselhafte Schülerin hätten 2019 beide ihren 100. Geburtstag gefeiert. 

Gohrisch ist auch im Jubiläumsjahr ein Ort für Neues. "Zwei Lieder ohne Worte" von Weinberg gelangen zur Uraufführung, zwei Film-Romanzen von Schostakowitsch zur Deutschen Erstaufführung. Zum dritten Mal in Folge kommt dem Festival außerdem die Ehre einer Schostakowitsch-Uraufführung zu: mit dem kurzen Klavierstück "Im Wald" aus dem Jahr 1919, das wie für den Luftkurort geschaffen scheint …

1960 Schostakowitsch Dresden
Dmitri Schostakowitsch im Jahr 1960 während seines Aufenthalts in Dresden