Schirmherrschaft:
Stanislaw Tillich, Ministerpräsident des Freistaates Sachsen
Prof. Kurt Sanderling († 18.9.2011)
Schostakowitsch in Gohrisch: Diese Geschichte begann im Juli 1960, als der russische Komponist Dmitri Schostakowitsch, eine der Leitfiguren der Musik des 20. Jahrhunderts, bei seinem Aufenthalt im „Gästehaus des Ministerrates der DDR“ im Herzen der Sächsischen Schweiz sein achtes Streichquartett op. 110 komponierte – eines seiner persönlichsten Werke, das sein existentielles Leiden unter dem Sowjetregime widerspiegelt, und die vermutlich einzige seiner Kompositionen, die außerhalb der Sowjetunion entstand.
50 Jahre später wurde der Verein „Schostakowitsch in Gohrisch“ gegründet, der im September 2010 in enger Koope- ration mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden zum ersten Mal die Internationalen Schostakowitsch Tage in Gohrisch ausrichtete. Anschließend schwärmte die Frankfurter Allgemeine Zeitung: „An authentischem Ort, getragen von einem musikbegeisterten Verein, namentlich aber von Mitgliedern der Sächsischen Staatskapelle, gelang hier etwas Einzigartiges, das man in dieser Ausgewogenheit sonst eher von etablierten Festivals wie in Salzburg oder Bayreuth erwarten würde: ein thematisch klug konzentriertes Konzept, realisiert von namhaf- ten Künstlern, veredelt vom Genius Loci.“
Nach dem großen Erfolg des ersten Jahrgangs wird das Festival vom 16. bis 18. September 2011 zum zweiten Mal stattfinden und den kleinen Luftkurort erneut für drei Tage ins Blickfeld der internationalen Schostakowitsch-Pflege rücken.
Neben zentralen Kammermusikwerken Schostakowitschs steht dabei auch die russisch-amerikanische Komponistin Lera Auerbach im Fokus, die in der Saison 2011/2012 als „Capell- Compositrice“ der Sächsischen Staatskapelle amtiert und deren Werke in vielfältiger Weise auf Schostakowitsch Bezug nehmen. Lera Auerbach wird das Festival mit einem Vortrag eröffnen und – gemeinsam mit Musikern der Staatskapelle – in Gohrisch auch als Pianistin zu erleben sein.
Unter der Leitung des bedeutenden Schostakowitsch- Dirigenten Michail Jurowski wird die Sächsische Staatskapelle Dresden – neben den kammermusikalischen Darbietungen ein- zelner Musiker – auch wieder in Orchesterformation in Gohrisch musizieren. Dabei kommt es zur Begegnung mit namhaften Gästen wie dem Trompeter Sergei Nakariakov und dem Pianisten Igor Levit, der bereits im ersten Festivaljahr für künstlerische Höhepunkte sorgte. Eigens für das Festival wird sich ein hochkarätiges „Schostakowitsch Festival Quartett“ zusammenfinden, das Stimmführer der Sächsischen Staatskapelle und des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks vereint. Eine Kino-Matinee mit der Verfilmung der Memoiren Schosta- kowitschs und eine Musik-Lesung mit Igor Levit und Christian Friedel, dem jungen Star des Dresdner Staatsschauspiels, runden das Programm ab.
Der Internationale Schostakowitsch Preis Gohrisch, der im vergangenen Jahr posthum an Rudolf Barschai vergeben wurde, wird 2011 an die Dirigentenlegende Kurt Sanderling verliehen. Sanderling, einst ein enger Weggefährte Schostakowitschs, war in den 1960er Jahren Chefdirigent der Dresdner Staatskapelle und besuchte den Komponisten 1972 bei seinem zweiten Aufenthalt in Gohrisch. Als Schirmherr neben Ministerpräsident Stanislaw Tillich ist er den Schostakowitsch Tagen von Anbeginn an eng verbunden.