25.06.2018

Ungebrochene Nachfrage

Mit einem Kammerorchesterkonzert von "kapelle 21", einer neuen Initiative der Sächsischen Staatskapelle Dresden, die sich der Auseinandersetzung mit der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts verschrieben hat, sind am Sonntag die 9. Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch beendet worden.

Insgesamt strömten wieder nahezu 3.000 Besucher zu den sechs Konzerten in die Sächsische Schweiz, die Auslastung lag damit bei über 90 Prozent. "Wir freuen uns, dass die Nachfrage nach unserem Festival ungebrochen ist", bilanzierte der Künstlerische Leiter Tobias Niederschlag. "Trotz des wechselhaften Wetters in diesem Jahr sind wieder Musikfans aus dem In- und Ausland nach Gohrisch gekommen und haben die Veranstaltungen in der Konzertscheune begeistert aufgenommen."

Neben der Musik von Dmitri Schostakowitsch bildete in diesem Jahr die polnische Moderne einen programmatischen Schwerpunkt: Werke von Witold Lutosławski, Krzysztof Penderecki und Krzysztof Meyer wurden von namhaften Künstlern wie Denis Matsuev, dem Vocalconsort Leipzig, dem Lutosławski Quartet und von kapelle 21 unter der Leitung von Petr Popelka aufgeführt. Krzysztof Meyer war, wie bereits in den vergangenen Jahren, persönlich beim Festival anwesend; Krzysztof Penderecki musste seinen geplanten Besuch leider kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen absagen.

Von Dmitri Schostakowitsch standen u.a. drei Deutsche Erstaufführungen für zwei Klaviere bzw. Klavier vierhändig auf dem Programm, gespielt vom GrauSchumacher Piano Duo. In einer Matinee am Sonntagvormittag gab es zudem eine Schostakowitsch-Uraufführung: Nils Mönkemeyer und Rostislav Krimer waren die Interpreten eines Impromptus für Viola und Klavier, das erstmals öffentlich erklang und erst vor wenigen Monaten im Moskauer Staatsarchiv entdeckt worden war.

Besonders erfreut waren die Veranstalter über die Anwesenheit von Irina Antonowna Schostakowitsch, die Witwe des Komponisten, die – aus aktuellem Anlass – ein neues Buch zum Thema "Schostakowitsch und der Fußball" vorstellte. Die Schirmherrin der Schostakowitsch Tage äußerte sich nach dem Abschlusskonzert begeistert: "Ich bin hoch erfreut zu sehen, wie sich das Festival in den letzten Jahren entwickelt hat. Ich danke den Organisatoren für ihre großartige Arbeit. Wenn es meine Gesundheit zulässt, werde ich im nächsten Jahr sehr gern wieder nach Gohrisch kommen."

Eine große Überraschung war auch die Ankündigung der führenden Schostakowitsch-Forscherin Dr. Olga Digonskaya, die in Gohrisch über ihren Fund des Impromptus berichtete, dem Festival für seine zehnte Auflage 2019 eine weitere Uraufführung zur Verfügung stellen zu wollen. Nach der Uraufführung von nachgelassenen Fragmenten aus der Oper "Die Nase" (2017) und der des Impromptus (2018) wird demnach beim Jubiläumsfestival 2019 zum dritten Mal in Folge eine Uraufführung des Namensgebers in Gohrisch zu erleben sein.

Bereits am Vorabend des diesjährigen Festivals wurde der Dirigent Yuri Temirkanov im Anschluss an das Sonderkonzert der Sächsischen Staatskapelle Dresden in der Semperoper mit dem 9. Internationalen Schostakowitsch Preis Gohrisch ausgezeichnet.

Die 10. Internationalen Schostakowitsch Tage werden vom 20. bis 23. Juni 2019 in Gohrisch stattfinden und am 19. Juni in Dresden mit einem Sonderkonzert der Sächsischen Staatskapelle im Kulturpalast eingeläutet. Der Festivalzeitraum in Gohrisch wird damit erstmals von drei auf vier Tage verlängert.

1960 Schostakowitsch Dresden
Dmitri Schostakowitsch im Jahr 1960 während seines Aufenthalts in Dresden