21.01.2016

"Ich verdanke Schostakowitsch unendlich viel"

 

Am Mittwoch, den 20. Januar 2016, ist der legendäre Dirigent Gennady Rozhdestvensky in Gohrisch mit dem 7. Internationalen Schostakowitsch Preis ausgezeichnet worden. Der Maestro reiste mit seiner Frau, der Pianistin Viktoria Postnikova, in die Sächsische Schweiz und zeigte sich sichtlich bewegt von der Auszeichnung: 

„Ich bin sehr überrascht und bewegt von dem, was hier in Gohrisch geschieht. Bis vor kurzem kannte ich diesen Ort gar nicht und wusste auch nicht, dass es hier ein Schostakowitsch-Festival gibt. Es ist großartig, dass es hier eine solche Begeisterung für Schostakowitsch gibt, der mit seiner Musik Weltgeschichte geschrieben hat. Schostakowitsch war für mich immer so etwas wie ein Lehrer, auch wenn ich nie offiziell sein Schüler gewesen bin. Ich verdanke ihm unendlich viel! Deshalb hat dieser Preis für mich eine sehr große Bedeutung.“ 

In seiner Laudatio würdigte der Künstlerische Leiter der Schostakowitsch Tage, Tobias Niederschlag, die Vielseitigkeit Rozhdestvenskys, der dem Musikleben – nicht nur der ehemaligen Sowjetunion – durch seinen Einsatz für Komponisten wie Dmitri Schostakowitsch, Sergej Prokofjew, Alfred Schnittke oder Sofia Gubaidulina nachhaltige Impulse verliehen habe. In den düstersten Zeiten des Kalten Krieges habe Rozhdestvensky den Kulturaustausch zwischen Ost und West wesentlich befördert. Der Schostakowitsch Preis sei auch eine vorzeitige Würdigung zum 85. Geburtstag des Dirigenten, den dieser im Mai 2016 begehen wird. 

Die Preisverleihung im Gohrischer Gasthof „Annas Hof“ wurde musikalisch umrahmt von Viktoria Postnikova, die Schostakowitschs erste Klaviersonate op. 12 und Franz Schuberts Impromptu Nr. 3 G-Dur D 899 zur Aufführung brachte. 

Rozhdestvensky Verdienste um die Musik Dmitri Schostakowitschs sind vielfältig: Als Chefdirigent des Staatlichen Symphonieorchesters des Kulturministeriums der UdSSR nahm er sämtliche Symphonien des Komponisten in einer bis heute gültigen Referenzeinspielung auf. Rozhdestvensky war der erste Dirigent, der Schostakowitschs vierte Symphonie 1962 im westlichen Ausland beim Edinburgh Festival vorstellte. Als Chef der von ihm mitbegründeten Moskauer Kammeroper führte er Schostakowitschs erste Oper „Die Nase“, die Jahrzehnte lang nicht gespielt worden war, 1974 ins internationale Opernrepertoire zurück. Immer wieder arbeitete Rozhdestvensky eng mit dem Komponisten zusammen und edierte zahlreiche seiner Orchesterwerke. 

Der Internationale Schostakowitsch Preis Gohrisch wird seit 2010 alljährlich verliehen. Bisherige Preisträger waren Rudolf Barschai, Kurt Sanderling, Michail Jurowski, Natalia Gutman, Gidon Kremer und das Borodin-Quartett. Der Preis 2017 wurde gestiftet von den Edelstahlwerken Schmees, Pirna, und dem Pianohaus Gäbler, Dresden. 

1960 Schostakowitsch Dresden